Trainer verprügelt Vizeweltmeister

von Redaktion

Skandal um Rastorgujevs im lettischen Biathlon-Verband

Geschwollene Nase, gebrochener Finger: Andrejs Rastorgujevs ließ sich im Krankenhaus durchchecken.

Riga/Lenzerheide – Der erfolgreichste lettische Biathlet Andrejs Rastorgujevs der vergangenen Jahre hat nach der WM in Lenzerheide für große Empörung gesorgt. In einem TV-Interview nach seiner Ankunft am Flughafen in der lettischen Hauptstadt Riga stellte der Überraschungsvizeweltmeister im Massenstart des vergangenen Jahres seinen Trainer Ilmars Bricis (54) an den Pranger. Rastorgujevs hätte gesehen, wie der lettische Co-Trainer während der WM Langlaufski des Teams stehlen wollte. Daraufhin hätte ihn Bricis „angegriffen“, wie der 36-Jährige im öffentlich-rechtlichen TV berichtete.

Diese körperliche Außeinandersetzung, die nach der Single-Mixed-Staffel am vergangenen Donnerstag stattgefunden haben soll, hatte Folgen: Bricis soll Rastorgujevs dabei den kleinen Finger der rechten Hand – seiner Abzugshand beim Schießen – gebrochen haben. Zudem klagt er über Schulterschmerzen und hat eine immer noch sichtlich geschwollene Nase. Bereits vor dem Abflug in die Heimat kündigte der 36-Jährige in seiner Instagram-Story an, sich zuhause medizinisch untersuchen zu lassen. Das bestätigte er auch im TV-Interview: „Ich fahre jetzt ins Krankenhaus.“

Bevor es zu den Tätlichkeiten zwischen ihm und dem zweimaligen WM-Bronze-Gewinner (2001 und 2005) gekommen sein soll, habe Rastorgujevs nach eigenen Aussagen versucht, Bricis zur Vernunft zu bringen: „Gib mir die Ski zurück, ansonsten melde ich das und es wird Untersuchungen geben“, soll der noch aktive Biathlet gesagt haben. Gemeldet habe er den Vorfall offiziell noch nicht, das wird nach seinen Aussagen vermutlich auch nicht mehr nötig sein. Trotzdem sollen beide Parteien nach Anweisung des lettischen Biathlon-Verbands zur internen Klärung eine schriftliche Stellungnahme abgeben.

Rastorgujevs schnitt nach der überraschenden Silbermedaille bei der WM in Nove Mesto im Vorjahr durchschnittlich ab – Platz 16 im Einzel war sein bestes Resultat.

Der Lette sorgte bereits in der Vergangenheit für Aufruhr. 2021 verstieß er gegen Doping-Richtlinien: Er verpasste gleich drei Meldetermine und gab falsche Angaben an, was eine eineinhalb jährige Sperre mit sich brachte. Auch deswegen gratulierte ihm unter anderem der Schwede Sebastian Samuelsson nicht zu seinem Silber-Coup im tschechischen Nove Mesto.
ALEXANDER VORMSTEIN

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