Wolfsburgs Elfer-Wut: Kilian Fischer bekommt den Ball aus kurzer Distanz an die Hand. © Woitas/dpa
Leipzig – Ein Handelfmeter erhitzt mal wieder die Gemüter: Kurz vor Mitternacht brodelte es im Bauch der Leipziger Red Bull Arena, keiner beim VfL Wolfsburg wollte diesen Handspiel-Pfiff verstehen. Torwart Marius Müller hätte „Haus, Hof und Kind verwettet“, dass der umstrittene und folgenreiche Elfmeter nicht gegeben würde. Dennoch zeigte Schiedsrichter Tobias Reichel auf den Punkt, die Wölfe schieden aus dem DFB-Pokal aus – und gingen mit dem Referee hart ins Gericht.
„Ausscheiden ist immer scheiße. Aber mit so einer Entscheidung ist es schwierig“, sagte Müller nach dem bitteren 0:1 (0:0) im Pokal-Viertelfinale bei RB Leipzig und fügte an: „Wenn du es auf dem Platz in der realen Geschwindigkeit siehst, ist es niemals ein Handelfmeter. Was soll Kilian machen? Soll er sich den Arm abschneiden?“
Vor dem spielentscheidenden Elfmetertreffer von Leipzigs Stürmer Benjamin Sesko (69.) hatte der Slowene dem Wolfsburger Kilian Fischer den Ball im Strafraum an den ausgestreckten Arm geschossen. Reichel entschied auf Strafstoß und blieb auch nach Rücksprache mit dem Videoassistenten dabei. Selbst schaute er sich die Szene nicht noch einmal an.
Nach dem Spiel erklärte Reichel sich. Fischer habe „eine klare Sicht auf den Ball“ gehabt, sagte der 39-Jährige: „Die Distanz war kurz, er versuchte aber auch mit zwei Spreizschritten, sich in den Weg zu stellen, der Ball war erwartbar. Er ist mit der ausgestreckten Hand in den Ball gegangen.“ Zwar habe Fischer versucht, den Arm wegzuziehen, dies sei jedoch erst geschehen, „nachdem der Ball an der Hand war“. Als Fischer den Ball berührte, sei „noch eine gewisse Spannung im Arm“ gewesen.
Im Wolfsburger Lager haderten sie dennoch mit Reichel. Für Wolfsburgs Trainer Ralph Hasenhüttl bleibe nach dem Aus ein „sehr fauler Beigeschmack“. Der Österreicher kritisierte vor allem eines: „Was ich nicht akzeptieren kann, ist die Tatsache, dass vom VAR dann keine Aufforderung kommt, sich das anzugucken. Dafür haben wir das Ding.“ Dies sah Reichel anders. Freilich habe er sich mit VAR Pascal Müller ausgetauscht, jener habe jedoch keine Bilder vorliegen gehabt, die Reichels Entscheidung widerlegt hätten. „Ich hatte die Wahrnehmung so auf dem Feld, deswegen habe ich so entschieden“, sagte Reichel: „Wir wollen ja starke Schiedsrichter-Persönlichkeiten auf dem Feld.“
SID