Der Star in der Mitte: Jonas Kaufmann umringt von den Bayern-Fans, die die neue Hymne selbst initiiert haben. © FCB
„Immer vorwärts, FC Bayern Deutscher Meister, Münchens StolzIn jedem Stadion woll‘n wir feiern Wir, die Fans vom FCB Wie seit über hundert Jahren Wird es bleiben bis zum Tod Unser Verein, der FC Bayern In den Farben Weiß und Rot
Il mio destino è di stare accanto a te, con te vicino più paura non avrò e un po‘ bambino tornerò.“
Was für ein Geschenk: Der FC Bayern hat eine neue Stadionhymne, die ab sofort bei jedem Heimspiel als letztes Lied vor dem Einlaufen gespielt wird. Der Song ist ein Geschenk der Fans. Der Club Nr. 12, die Vereinigung der Anhänger und die Gruppen der Südkurve, haben das gesamte Projekt in Eigeninitiative geplant und organisiert.
Darüber freut sich der FC Bayern ausdrücklich: „Dieses Projekt zeigt, was möglich ist, wenn eine Idee auf Leidenschaft trifft und eine Gemeinschaft voller Hingabe dahinter steht. Die Hymne gehört uns allen. Sie ist das Echo unserer Liebe zum FC Bayern und ein Zeichen unserer Verbundenheit zu der einzigartigen 125-jährigen Clubgeschichte“, teilte der Rekordmeister mit. Eingesungen wurde die neue Hymne nach dem Heimspiel gegen Heidenheim – gemeinsam mit Startenor Jonas Kaufmann und von 8 000 Fans. Erstmals zu hören sein wird sie beim Heimspiel gegen Bochum am 8. März. Unser Kultur-Autor Matthias Bieber hat sich die Hymne angehört – und bewertet:
Es geht fast immer schief, wenn ein Opernstar in fremden Gefilden wildert. In diesem Fall zwar nicht mit Rockmusik & Co., sondern mit der Südkurve. Mit Fans, die inbrünstig ihren Verein besingen. Nerz trifft Jeans. Ergebnis: schon fast komisch. Das hört sich dann so an: Nach einer instrumentalen Einleitung, staatstragend-pathetisch wie bei einem US-Propagandafilm á la „Air Force One“, setzt der Chor ein. Klingt ein bisserl nach Leningrad Cowboys, aber garantiert ohne Wodka. Und dann: Der Weltstar. Der Mann für die Met, die Scala, die Staatsoper. Er schmettert. Ja, was schmettert er denn? Italienisch! Mamma mia! Warum nur? Weil wir die nördlichste Stadt Italiens sind? Weil Kaufmanns paar Takte an das Land der Oper erinnern soll? Oder weil einfach die Musik-Flasche leer ist? Weniger Spielfluss als zwischen Chor und Tenor geht kaum.
Zurück zu den Fans. Der Refrain ist tatsächlich merkbar, zwei-, dreimal im Stadion, dann könnten alle mitsingen. Im Gegensatz zum Plastik-Pop der „Mia-san-mia“-Version mit Barbiepüppchenstimme, Sie erinnern sich vielleicht, nun also Mannsbilder, Testosteron mit Tenor. Wir blicken wehmütig zurück auf den Reißer „Stern des Südens“. Da hatte alles gestimmt. Keine metrischen Fouls, Text und Melodie passten zusammen. Kein Pathos hart an der Blutgrätsche, sondern emotionale Steilvorlagen. Und dazu Tempo und flotte Spielverlagerungen statt behäbigem Hin- und Hergeschiebe.
Bei Kaufmanns Hochton am Schluss durchfährt uns ein Schauern. Kein schönes. Aber: Wir ziehen den Hut vor der Initiative der Fans. Nächstes Mal einfach den Starstürmer auf die Bank setzen.
MATTHIAS BIEBER