Das Auswärtsspiel seines FC Bayern bei seinem Jugendclub VfB Stuttgart verfolgte Joshua Kimmich von zu Hause aus. Eine Sehnenreizung plagt den Mittelfeldchef des deutschen Rekordmeisters, und angesichts des Champions-League-Duells mit Bayer Leverkusen am Mittwoch wollten die Verantwortlichen kein Risiko bei Kimmich eingehen. Obwohl der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft am Freitagabend nicht auf dem Platz stand, war er omnipräsent. Tags zuvor war nämlich durchgesickert, dass die Münchner ihr aktuelles Vertragsangebot für eine Verlängerung über 2025 hinaus zurückgezogen hatten. Ein Zeichen der Stärke der Vereinsführung? Ein Affront gegenüber Kimmich? Oder einfach nur ein Teil des Vertragspokers? Von allem ein bisschen!
Was ist das Wort des Sportvorstands noch wert?
Fakt ist: Die sportliche Leitung um Sportvorstand Max Eberl, Sportdirektor Christoph Freund und Cheftrainer Vincent Kompany will unbedingt mit Kimmich verlängern. Wie wichtig die Rolle des 30-Jährigen im System von Kompany ist, beweist alleine ein Blick auf die Zahlen: Abgesehen von den Partien gegen Frankfurt, bei der sich Kimmich verletzte, und nun eben Stuttgart stand er in jedem Spiel über die volle Distanz auf dem Feld. Doch nun hat der Aufsichtsrat dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Den Ton im mächtigen Gremium geben in erster Linie die langjährigen Bayern-Macher Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge an – bei allem Respekt vor den übrigen Mitgliedern, denen trotz aller wirtschaftlicher Kompetenzen das sportliche Know-how fehlt.
Die Causa Kimmich zeigt, wie groß der Einfluss der Altvorderen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge nach wie vor ist. An dieser Stelle muss vor allem Sportvorstand Eberl aufpassen, dass seine Autorität nicht untergrabend wird. Spieler könnten sich sonst fragen: Was ist das Wort des Sportvorstands wert, wenn der Aufsichtsrat seine Entscheidungen wieder einkassiert? Frag nach bei Alphonso Davies, der im vergangenen Sommer in einer ähnlichen Situation wie Kimmich war. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Vorstand und Aufsichtsrat aktuell wandern. Die Gremien müssen aufpassen, dass beide zum Wohle des FC Bayern in Zukunft in die gleiche Richtung marschieren.