2016: Meister mit Bayern. © Imago
Leitet das Spiel mit seiner Intelligenz: Mario Götze. © IMAGO/Oliver Vogler
Frankfurt – Auch im gesetzten Alter von 32 Jahren treibt Mario Götze noch immer die Liebe zum Spiel und die Gier nach Erfolgen an. Fußball ist und bleibt sein Lebenselixier, was bei einem professionellen Spieler ja auch so sein sollte. Bei Götze liegt der Fall aber ein klein wenig anders, denn er hat in dieser bizarren Welt des Fußballsports ja schon alles erlebt; er spielte für die größten Klubs Deutschlands, Bayern und Dortmund, schoss Deutschland als junger Bursche zum WM-Titel und stürzte dann böse ab, er flog also, wenn man so will, in den Himmel und ging durch die Hölle.
Seit bald drei Jahren hat er seine Mitte gefunden und sein Zuhause, in Frankfurt fühlt sich mit seinen beiden Kindern Rome und Gioia sowie Ehefrau Ann-Kathrin pudelwohl. „In meiner Lebensphase passt es einfach perfekt“, sagte er jetzt auf dem Frühjahrsempfang des Klubs im geschichtsträchtigen Palmengarten vor vielen geladenen Gästen. Mario Götze gibt auch auf der hell ausgeleuchteten Bühne abseits des Rasens eine gute Figur ab, er ist blitzgescheit, hat seinen Horizont längst erweitert, investiert in Start-Ups und wird nach seiner Karriere sicherlich als Unternehmer seinen Weg gehen. Er bewegt sich schon jetzt sicher auf ungewohntem Terrain, denn er hat das „Bewusstsein, dass ich nicht ewig spielen kann“.
Längst sieht er die Sache nicht mehr so verbissen, er ist reflektiert, schreibt schon mal öffentliche Briefe an seine Kinder oder blickt in einem Buch als Ich-Erzähler aus der eigenen Perspektive auf seine Karriere zurück.
Doch Mario Götze, um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen, brennt noch immer für den Fußball – wie am ersten Tag. Das macht ihn besonders und auch wertvoll für seinen aktuellen Verein. Es wäre zwar übertrieben zu sagen, Mario Götze ist in der Form seines Lebens, aber er ist relativ nahe dran, die momentane Phase gehört bestimmt zu den besseren in seiner wechselhaften Laufbahn.
Vor nicht allzu langer Zeit, kurz vor Weihnachten, schien er fast schon ein Auslaufmodell, Trainer Dino Toppmöller setzte den Routinier in drei aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen auf die Bank und wechselte ihn nicht mal ein. Götterdämmerung? Mitnichten. Jetzt sagt der Chefcoach: „Es gibt Spieler, die müssen das Vertrauen spüren, die brauchen Liebe – meistens sind es besondere Spieler.“ Er meinte Mario Götze.
Der zahlt das Vertrauen jetzt zurück, er prägt das Spiel und diktiert es, selbst als er jetzt in München beim eher überschaubaren Eintracht-Auftritt eingewechselt wurde, mauserte er sich schnell zum besten Spieler seines Ensembles. Natürlich hätte er auch im Bayernland von Beginn an gespielt, wenn er nicht vorher mit einer Erkältung hätte kürzertreten müssen.
Mario Götze ist für das Eintracht-Spiel zurzeit unersetzlich, weil er das Spiel mit seiner Intelligenz leitet, in jeder Situation weiß, was zu tun ist – und weil er den Ball eigentlich nie verliert, was seinen Kollegen in unschöner Regelmäßigkeit passiert. Die fehlende technische Klasse, gerade beim ersten Kontakt, und die Ungenauigkeiten im Passspiel sind ganz sicher Mankos, die in Zukunft behoben werden sollten. Und müssen. Ein klarer Auftrag an die Sportliche Leitung.
Götze gibt dem blutjungen Team den nötigen Halt auf dem Platz – und ist ein Anker“ in der Kabine.
INGO DURSTEWITZ