TV-KRITIK

Geprüft und für okay befunden

von Redaktion

Hoch die Tassen, Geld verprassen, gut gehen lassen! Die feierrauschigen Geburtstags-Bayern traten in Stuttgart zum ersten Spiel im 126. Lebensjahr an. Und alle haben sich gefragt: Was geht ab bei DAZN? Party oder Kater? Südschlager oder Müdschlager?

Das Gedöns: Das Drumrum war top. Vor dem Spiel sezierten Moderator Daniel „Herzi“ Herzog und Auskenner Sebastian Kneißl ganz fabelhaft die Geheimnisse von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß. Dutt-Träger Herzog wusste, dass es in der Liga durchaus noch haarig werden kann: „Wir müssen dem FC Bayern gratulieren – aber nur zum Geburtstag, noch nicht zur Meisterschaft.“

Zunehmend albern wird die neue Idee, Spieler beim Busaussteigen anzufallen, um ein Pseudo-Interview zu führen. Diesmal teilte VfB-Riese Woltemade bei Marco Hagemann mit: „Wir haben ’n guten Plan“ und „Es gibt nichts Schöneres als Fußballer.“ Was soll er auch sonst sagen? „Unser Trainer peilt nix, und ich würd lieber Völkerball spielen.“ Später blitzte Hagi bei Vincent Kompany mit dem Plan ab, sich penetrant nach Leverkusen zu erkundigen. War nicht sein Abend.

Der Experte: Dafür war es der Abend von Schwaben-Versteher Sami Khedira, dank schlauer Analysen. Der Weltmeister sorgte sich wegen des Bayern-Personals: „Weder Leon noch Palinha stehen für Dominanz mit dem Ball.“ Er kannte die latenten Münchner Probleme bei Torhüter-Thronfolgen: „Wessels, Rensing, Kraft – Bayern braucht einen gestandenen Torwart.“ Und er konnte ohne Laber-Flash à la Ballack erklären, warum eine Kimmich-Verlängerung dufte wäre: Ohne Neuer, ohne Müller, „wer führt dann diese Mannschaft? Musiala oder auch Wirtz sind Künstler, die geführt werden müssen.“ Samis Lieblingssatz: „Natürlich hab ich mir auch Gedanken darüber gemacht.“ Das hat man gemerkt.

Der Kommentator: Jan Platte war auf der DAZN-Plattform in bester Platte-Form. Er kannte die Zahlen: „Goretzka und Palinha haben bisher 44 Minuten zusammengespielt.“ Er feierte angemessen das 1:0 von Sportfreund Stiller: „Er dreht die Arena laut, die Dezibel schießen nach oben.“ Und sein Fazit beim knapp dreitägigen Warten auf die Abseits-Entscheidung beim 1:1 war angemessen spöttisch: „Geprüft, geprüft, und für okay befunden.“ Was unbedingt auch für den Mann am Mikro gilt.

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