Cheftrainer Xabi Alonso und Jeremie Frimpong. © Dedert/dpa
Zoff: Victor Boniface und Emiliano Buendia. © Pedersen/dpa
Für den FC Bayern in Stimmung geschossen: Xhaka, Tella und Garcia. © IMAGO/Ossowski
Frankfurt – Natürlich hat Xabi Alonso einen freien Sonntag gewährt. Die Akteure von Bayer Leverkusen sollten ausspannen, was der Trainer nicht tun wollte. „Morgen ist frei für die Spieler – nicht für mich“, hatte der 43-Jährige am Samstagabend gesagt, nachdem die Werkself im einseitigen Topspiel bei Eintracht Frankfurt (4:1) ein Signal der Stärke ausgesandt hatte. Schließlich warte, wie Alonso weiter ausführte, „die nächste Herausforderung“. Das Champions-League-Achtelfinale beim FC Bayern (Mittwoch, 21 Uhr/DAZN) elektrisiert Fußball-Deutschland. „Wir müssen großen Respekt haben, aber wir bleiben cool“, versprach Alonso, der für besondere Begegnungen gerne überraschende Matchpläne austüftelt.
Obwohl der listige Spanier keines seiner sechs Duelle gegen seinen Ex-Verein verloren hat, bei dem er von 2024 bis 2017 unter Vertrag stand, stehe man vor einer „brutal schwierigen Aufgabe“. Denn: „Sie sind die beste Mannschaft Deutschlands. Es ist Bayern München, es ist Champions League: Wir sind nicht dumm, zu denken, wir sind Favorit.“ Gleichwohl ist die Botschaft angekommen: Bayer ist bereit für Bayern.
Als sich die Protagonisten vor dem prallvollen Auswärtsblock bedankten, schallte ihnen ein „Zieht-den-Bayern-die-Lederhosen-aus!“ entgegen. Im DFB-Pokal hat dies bekanntlich bei den Bayern (1:0) geklappt, in der Bundesliga (0:0) war man zu Hause zuletzt haushoch überlegen. Für Maestro Alonso ist die Königsklasse jedoch „total anders“, weil: „Champions League ist immer ein bisschen emotionaler.“ Es sei wichtig, „die emotionale Kontrolle zu haben: Fünf schlechte Minuten und du bist weg.“
Aber die wirklich schlechten Zeiten unter seiner Anleitung liegen einige Zeit zurück. Der Meistercoach selbst hatte vor dem Wochenende wieder daran erinnert, im Frankfurter Stadtwald in seinem ersten Auswärtsspiel im Oktober 2022 eine Abreibung (1:5) kassiert zu haben. Inzwischen ist sein Team technisch und taktisch dem aktuellen Tabellendritten weit enteilt. Dass Treffer von Nathan Tella (26.), Nordi Mukiele (29.), Patrik Schick (33.) und Aleix Garcia (62.) vom Videowürfel leuchteten, war fast Ausdruck eines Klassenunterschieds. Frankfurts Hugo Ektiké (37.), betrieb nur Ergebniskosmetik.
Einziges Ärgernis: der Zoff zwischen Boniface und dem eingewechselten Emiliano Buendia „Aus etwas Kleinem machen wir nichts Großes“, beschwichtigte Alonso hinterher, „das kann passieren“. Auslöser des Zwists war, dass sich der Nigerianer und der Argentinier bei einer Torchance in der Nachspielzeit gegenseitig im Weg gestanden hatten. Es folgte eine gestenreiche Diskussion – und ein Schubser von Boniface, der zudem mit erhobenem Zeigefinger auf seinen Teamkollegen zuging.
Auch Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes verwies auf den Wunsch nach „einer Mannschaft, die lebt“, kritisierte aber gleichwohl: „Trotzdem muss Boni ihn nicht wegstoßen.“
Und dennoch: Leverkusen ist heiß. „Wir sind stabil genug, um Bayern zu ärgern“, kündigte auch Anführer Granit Xhaka an, der mit seiner breiten Brust nicht nur bei einem Scharmützel mit Ellyes Skhiri vorangegangen war. Der 32-Jährige erwartet „ein Spiel auf Augenhöhe“. Man dürfe nicht versuchen, „auf Ergebnis zu spielen“, sondern müsse das „eigene Spiel durchziehen“.
FRANK HELLMANN