Eberl auf dem Prüfstand

von Redaktion

Wird die Causa Kimmich zum Machtkampf im Verein?

Hoeneß (rechts) hat als Aufsichtsratsmitglied auch die Finanzen von Sportvorstand Eberl (links) im Blick. © Imago

München – Die einhellige Meinung in der Chefetage an der Säbener Straße ist klar: Sollte Joshua Kimmich noch in München verlängern wollen, muss er den ersten Schritt auf den FC Bayern zugehen. Vergangene Woche sickerte bekanntlich durch, dass der Aufsichtsrat das vorliegende Vertragsangebot des 30-Jährigen einkassiert hatte. Grundsätzlich sind die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters weiterhin bereit, eine Verlängerung zu finalisieren. Doch dafür müsste Kimmich seinen Stolz runterschlucken. Ob er das tut, ist fraglich, zumal beim Mittelfeldspieler nach Informationen unserer Zeitung seit zwei Wochen mindestens zwei konkrete Wechsel-Optionen auf dem Tisch liegen.

Für Sportvorstand Max Eberl und sein internes sowie externes Standing wäre es immens wichtig, dass beide Seiten letztendlich doch noch eine Einigung erzielen. Auf den ersten Blick scheint es so, als würde der mächtige Aufsichtsrat um die Bayern-Granden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge die Muskeln in der Causa Kimmich spielen lassen – und dabei macht vor allem Eberl eine unglückliche Figur. Zur Erinnerung: Schon bei den Verhandlungen mit Alphonso Davies – der seine Arbeitspapiere mittlerweile verlängert hat – musste der Sportvorstand zwischenzeitlich das Angebot zurückziehen, weil der Aufsichtsrat sein Veto eingelegt hatte. Dem Gremium war das finanzielle Gesamtpaket schlichtweg zu hoch.

Und hier wären wir schon beim Thema, weshalb Sportchef Eberl beim einen oder anderen Aufsichtsratsmitglied auf dem Prüfstand stehen soll. Dem Vernehmen nach soll der 51-Jährige bei Transfer- und Kaderplanung zu sorglos mit Geld umgehen. Und das in Zeiten, in denen das Münchner Festgeldkonto nicht mehr so prall gefüllt ist, wie es in der Vergangenheit schon mal war. Dieser Fakt soll auch bei der Aufsichtsratssitzung am vorletzten Montag thematisiert worden sein.

Sollte Eberl tatsächlich eine mündliche Einigung mit Kimmich über einen Vierjahres-Vertrag und ein Jahresgehalt von geschätzt 20 Millionen Euro erzielt haben, wie es die kolportierten Zahlen vermuten lassen, würde sich das Gesamtpaket auf 80 Millionen Euro belaufen, Handgeldzahlungen nicht berücksichtigt.

Am 1. März feierte Eberl einjähriges Dienstjubiläum. Daher sollte er die Eitelkeiten so mancher Aufsichtsratsmitglieder kennen und wissen: Wenn man gestandene Fußball-Manager a.D. zu häufig vor vollendete Tatsachen stellt, könnte das langfristig zu einem Problem werden. Zumal das Gremium tatsächlich eine Kontrollfunktion im Hinblick auf die Kosten-Nutzen-Analyse von sportlicher Perspektive und finanzieller Belastbarkeit ausübt.
M. BONKE. P. KESSLER

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