ZUM TAGE

Andreas Wellinger beendet die Skisprung-Krise

von Redaktion

Nun hat die unerklärbare Disziplin also wieder einmal ihr wahres Gesicht gezeigt. Und der Spezialist für das Unerklärbare ist wieder einmal Andreas Wellinger. Wieder einmal blickt der Ruhpoldinger auf harte Wochen und Monate zurück. Auf „Bullshit“, wie er es selbst nannte. Und wieder einmal nutzte er eine der größten Bühnen seines Sports, um sich wieder dort zurückzumelden, wohin er mit seinem Talent allemal gehört: in der Spitze.

Klar, der Zeitplan der WM in Trondheim mag ihm in die Karten gespielt haben. Wellinger ist mit seiner Technik und seinem Springerinstinkt ein Spezialist für die – im Weltcup selten besprungene – kleine Schanze. Schon bei den Weltmeisterschaften 2017 in Lahti und 2023 in Planica holte er auf der kleinen Anlage Silber. Und natürlich war die sogenannte Normalschanze auch sein persönlicher Karriere-Olymp – mit Gold bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang.

Aber: So einfach es im Skispringen ist, in ein Loch zu fallen – es erfordert außergewöhnliche Fähigkeiten, sich aus demselben wieder zu befreien. Über Wochen hat Wellinger an seinem Sprung getüftelt. Erfolgreich, wie auch Eurosport-Experte Martin Schmitt beobachtet hatte. „Er springt schon länger wieder ganz gut“, hatte er einstige Springerstar im Interview mit unserer Zeitung erklärt. „Es macht sich nur noch nicht im Ergebnis bemerkbar.“

Das hat sich nun zum bestmöglichen Zeitpunkt geändert. Und es wäre alles andere als verwunderlich, wenn das Silber von Trondheim zu einem echten Knotenlöser wird. Wenn Wellinger Weiteres folgen lässt. Schon bei dieser Weltmeisterschaft, die am Mittwoch mit der deutschen Spezialdisziplin Mixed-Team weitergeht. Und natürlich in den Wochen danach, bis hin zum schon traditionellen Weltcupfinale in Planica.

Vielleicht auch nicht nur Wellinger. So eine Medaille, die natürlich auch dem schwer kritisierten Bundestrainer Stefan Horngacher den Rücken stärkt, kann ein ganzes Team befreien. Bei allem Silberglanz darf man schließlich auch Karl Geiger nicht vergessen. Der Oberstdorfer, auch ein Spezialist für die kleinen Anlagen, sprang in Trondheim als Vierter selbst nur denkbar knapp an Edelmetall vorbei.

Schönen Gruß an die Allesgewinner aus Österreich um Tourneesieger Daniel Tschofenig, denen Jan Hörl so eben noch eine Bronzemedaille rettete. Noch so ein Gesicht der unerklärbaren Disziplin.

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