Michael Reschke, Ex-Bayer und Ex-Leverkusener. © Langer/Imago
Michael Reschke war von 2014 bis 2017 Technischer Direktor des FC Bayern. Davor war er viele Jahre Manager von Bayer Leverkusen. Im Interview spricht der 67-Jährige über seine beiden Ex-Clubs.
Herr Reschke, haben Sie Bayern schon zum Meistertitel gratuliert?
Die Bayern werden sich die Deutsche Meisterschaft definitiv nicht mehr nehmen lassen. Aber wenn man nun nach dem Pokal auch in der Champions League gegen Bayer 04 ausscheiden würde, würde die Meisterschale nicht ganz so glänzen. Für Bayern geht es in dem Duell gegen Leverkusen um mehr als den Einzug ins Viertelfinale.
Xabi Alonso hat mit Leverkusen noch nie gegen Bayern verloren.
Eine der absoluten Stärken von Xabi und seinem Trainerteam ist ja ihre taktische Flexibilität. Man wird vermutlich einige spannende Ideen im Köcher haben. Aber im Bundesliga-Hinspiel waren es halt die Bayern, die die Taktik und das Spiel komplett dominiert haben. Alle stehen definitiv unter Hochspannung und es wird brisante Duelle auf dem Platz geben. Hochspannung ist garantiert.
Anderes großes Thema: die Zukunft von Joshua Kimmich. Kann Bayern es sich erlauben, ihn ablösefrei gehen zu lassen?
Naja. Dass man mit Jo verlängern will, ist ja bekannt. Und es gibt wohl auch sehr gute Gespräche. Aber das entscheidet der FC Bayern halt nicht alleine. Und so bitter ein Abgang von Kimmich auch wäre, dieser Club ist sehr groß und wird auch dann seinen Weg finden.
Geht Bayern fair mit Kimmich um?
Die Frage überrascht mich. Man hätte sie im letzten Sommer stellen können, als es Bestrebungen gab, ihn abzugeben und die wichtige partnerschaftliche Kommunikation schwächelte. Aber aktuell? Es gibt ein Top-Angebot vom FC Bayern für Jo und das ist gewiss und zurecht mächtig.
Bei den Vertragsverhandlungen von Alphonso Davies wurde Max Eberl zwischendurch vom Aufsichtsrat zurückgepfiffen. Bei den Verhandlungen mit Jamal Musiala brauchte er Hilfe von CEO Jan-Christian Dreesen. Weil er mit Kimmich nicht weitergekommen war, mischte sich der Aufsichtsrat wieder ein. Wie sehen Sie die Situation?
Jede dieser Entscheidungen ist sportlich extrem wichtig. Wirtschaftlich sprechen wir jeweils über viele Millionen Euro und das es da unterschiedliche Entwicklungen, Einschätzungen und Verantwortlichkeiten gibt, ist doch logisch. Und das Max hier nicht nach Gutsherrenart alleine entscheidet, ist doch auch völlig klar und richtig. Jan-Christian Dreesen und der Aufsichtsrat müssen zwingend mit in die Verantwortung.
Hoeneß und Rummenigge buhlen rund um die Duelle mit Leverkusen öffentlich und ganz ungeniert um Florian Wirtz. Taktik, um die Werkself aus dem Konzept zu bringen?
Dass Bayern und nahezu alle europäischen Topclubs Florian Wirtz gerne verpflichten würden, ist doch völlig klar und das weiß doch auch jeder. Der Erregungszustand über das Wirtz-Interesse der Bayern hat sich bei Fernando Carro und Simon Rolfes von 0 auf 0 „katapultiert“…
Wer ist aus Ihrer Sicht besser: Bayerns Musiala oder Leverkusens Wirtz?
Für mich ist Wirtz aktuell der beste deutsche Spieler mit echter Perspektive zum Weltfußballer und Musiala eine kleine Nasenspitze dahinter. Was für ein Glück für Fußball-Deutschland, dass wir uns über zwei solche Juwele freuen dürfen und darüber diskutieren können, wer einen Hauch besser ist.
INTERVIEW: PHILIPP KESSLER