Hängende Köpfe: Die Löwen mussten in dieser Saison viele Rückschläge wegstecken – fehlt`s bei manchen am Selbstvertrauen? © Feil/Imago
München – Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Bei 1860 möglicherweise noch mehr als bei anderen Clubs. Sieg oder Niederlage bestimmt oft über die allgemeine Gemütslage in Giesing. Auch erkennbar an der Fankurve. Zwischen „Löwen, wir sind stolz auf Euch!“ und „Wir sind Löwen – und Ihr nicht!“ liegen oft nur wenige Tage oder Wochen.
In der 3. Liga steht nun die heiße Phase der Saison an, Sechzig befindet sich im Abstiegskampf, das Damoklesschwert „Sturz in den Amateurfußball“ schwebt über dem Club. Deshalb ist Trainer Patrick Glöckner momentan nicht nur an der Taktiktafel gefragt, sondern auch im mentalen Bereich. Dabei ist es wichtig, dass der Löwencoach es hinbekommt, positive Gedanken in die Köpfe seiner Spieler einzupflanzen. „Angst ist kein guter Ratgeber, mit ihr kann ich im Spiel nicht gut agieren. Angst bewirkt Flucht und Erstarren. Es blockiert die Spieler“, betont Thomas Flath mit Blick auf die Löwen-Situation. Der 60-Jährige ist Diplom-Sportwissenschaftler, war früher auch als Coach in der U19-Bundesliga (u. a. Schalke o4 und Gladbach) tätig.
Flath erklärt, wie neben Einzelgesprächen auch im Training unterbewusst das Mindset der Spieler verändert werden kann: „Es geht darum, Erfolgserlebnisse im Training zu schaffen, eine gute Stimmung in die Kabine zu bringen.“ Auch klassische Hilfsmethoden wie ein Mannschaftsabend können dabei helfen. Nach unseren Informationen fand dieser vergangene Woche bei den Löwen auch statt.
Eine Achse aus erfahrenen Spielern auf dem Feld sei laut Flath nicht nur aus spielerischer Sicht wichtig für den Trainer. „Ein Coach braucht mehrere Führungsspieler auf dem Platz, denen er vertraut. Denn während des Spiels hat ein Trainer nur geringen Einfluss, da brauchen wir uns nichts vorzumachen.“ Eine Brandrede in der Kabine nach einer verlorenen Partie? Bringt alleine nichts, erklärt Flath. „Wir haben eine Defizit orientierte Wahrnehmung. Nur weil ich Fehler anspreche, werden sie nicht weniger. Vielmehr muss man den Spielern ihre Qualitäten aufzeigen.“
Qualitäten auf den Platz bekommen, lautet die Kernessenz. Gelang 1860 zu selten in dieser Saison. Nächste Chance: Sonntag gegen Dortmund II (13.30 Uhr).
MARCO B. UCLES