… hier gibt es das große Geld. © Borgia/dpa
Wichtiger als die Schale ist die Qualifikation zur Champions League … © IMAGO/Wedel
Hat Angst um die nationalen Fußball-Ligen: Javier Tebas. Der spanische Liga-Chef befürchtet, dass die Schere zwischen den Clubs weiter auseinander geht. © IMAGO/Barroso
Frankfurt am Main – Die heiße Phase der reformierten Champions League beginnt gerade erst, da hat Javier Tebas den Teufel bereits an die Wand gemalt. „Wir wohnen gerade der Erschaffung einer Oligarchie von Klubs bei“, warnte der Chef der spanischen Liga vor der Gefahr durch die Königsklasse für Bundesliga und Co.: „Wenn das so weitergeht, wird die Schere zwischen Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern noch weiter aufgehen – mit schweren Auswirkungen auf die nationalen Ligen.“
Diese These wird Tebas sicher wiederholen, wenn sich die European Leagues inklusive der Deutschen Fußball Liga (DFL) am heutigen Donnerstag in Frankfurt/Main zu ihrer 50. Generalversammlung zusammenfinden. DFL-Geschäftsführer Marc Lenz dürfte im Zuge dessen erneut in den Vorstand gewählt werden. Die Champions League in Kombination mit der Premiere der Klub-WM bereitet Tebas und zahlreichen anderen Liga- und Klubchefs sowie Fangruppierungen große Kopfschmerzen. Dort werde Geld generiert, das nicht in der „Fußball-Industrie“ bleibe, sagte der Spanier der SZ, „sondern letztlich nur den Fußballern einen neuen Ferrari bezahlt, die schon fünf haben“.
Leidtragende seien die kleineren Klubs, die auf die nationalen Medieneinnahmen angewiesen seien. „Man kann jetzt schon eine Kannibalisierung bei den TV-Rechten beobachten, die der Champions League zuzuschreiben sind“, sagte Tebas – und verwies auf die jüngsten Abschlüsse, bei denen die Einnahmen stagnierten (Deutschland) oder zurückgegangen sind (Frankreich, Italien): „Die UEFA hingegen? Hat ihre Champions-League-Einnahmen steigern können.“
In der Tat generiert die Europäische Fußball-Union (Uefa) dank der neuen Ligaphase in allen Europacup-Wettbewerben mittlerweile insgesamt 4,4 Milliarden Euro pro Saison – vorher waren es 3,5. Rund 3,3 Milliarden werden an die Europacupteilnehmer ausgeschüttet – vor allem die Königsklassen-Starter sahnen ab. Atemberaubende 156 Millionen sind maximal für einen Klub drin.
Die Bayern haben als deutscher Top-Verdiener bereits 92,4 Millionen Euro eingenommen. Für die Teilnahme an der Klub-WM des Weltverbands FIFA dürfte es zudem eine Antrittsprämie von 40 Millionen Euro geben. Damit dürften alle Fragen mit Blick auf eine Wettbewerbsverzerrung in der Bundesliga durch das Geld von außerhalb beantwortet sein.
Als Lösungsansatz fordert Tebas, dass die Einnahmen der Königsklassen-Klubs teilweise an die weiteren Vereine der nationalen Liga weitergereicht werden. Schließlich seien diese durch den Ligabetrieb quasi bei der „Vorab-Qualifikation“ dabei: „Es darf nicht angehen, dass in einer Liga der Erste fünfmal mehr Geld aus den TV-Geldern einnimmt als der Letzte. Die innere Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Ligen steht auf dem Spiel.“
Die Uefa hält nichts vom Niedergangs-Szenario der nationalen Ligen. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte der deutsche Uefa-Wettbewerbsboss Tobias Hedtstück: „Sie sind das Rückgrat des europäischen Fußballs, über das man sich für unsere Wettbewerbe qualifiziert. Das ist die Pyramide, die wir verteidigen.“
Die „Solidaritätszahlungen“ an nicht europäisch vertretene Vereine seien laut Hedtstück um 76 Prozent auf jährlich 308 Millionen Euro gestiegen. Das sind in diesem Zusammenhang allerdings „Peanuts“. In Deutschland werden die zehn Millionen, die es insgesamt in der kommenden Saison von der Uefa für die „Nicht-Teilnehmer“ gibt, von der DFL generös an die 2. Bundesliga ausgeschüttet.
SID