Gute Laune in München: Der Zuschauerschnitt liegt über 10000. © Red Bull/City-Press
München – Letzter Spieltag in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) – und es finden sich Regionen in der Tabelle, in denen es noch höchst spannend ist. Ligenleiter Gernot Tripcke führt durch das Programm.
„Über allem“, sagt er, „schwebt das Thema Augsburg – Düsseldorf.“ Der 13. und 14., gleichauf nach Punkten und getrennt nur durch die für die Augsburger Panther sprechende Tordifferenz, bestreiten ein Fernduell. Der AEV in Iserlohn, die DEG gegen Wolfsburg. Düsseldorf hat sein Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand, die DEL muss sich mit dem Szenario beschäftigen, einen großen Namen zu verlieren. Tripcke: „Auch der Fußball muss damit klarkommen, dass derzeit fünf seiner sieben größten Marken in der 2. Liga spielen.“
Offen ist noch, wer aus der Gruppe Schwenningen (9.), Wolfsburg (10.), Frankfurt (11.) in die Pre-Playoffs kommen wird. Einer wird es nicht schaffen, für den endet die Hauptrunde nach 52 Punktspielen am Freitagabend.
Weitere finale Entscheidung: „Das Heimrecht zwischen München und Mannheim muss noch ausgespielt werden“, so Gernot Tripcke. Dass EHC Red Bull und Adler sich im Viertelfinale begegnen werden, steht fest, zu klären ist noch, wer von Platz vier, wer von Rang fünf aus startet. Mannheim hat zwei Punkte mehr und die bessere Tordifferenz und ein Heimspiel, allerdings gegen den Hochkaräter Eisbären Berlin. München, nach der Sperre für Chris DeSousa und dem Ausfall von Taro Hirose mit eingeschränkten offensiven Optionen, tritt bei den Straubing Tigers an. Drei Punkte für den EHC, keinen für Mannheim – so könnten die Plätze noch getauscht werden.
Auf Rang fünf abzuschließen, wäre für den EHC München unterm Strich ein enttäuschendes Ergebnis. Doch es gibt bei Bewertung der Hauptrunde noch den anderen Aspekt: den Zugewinn an Zuschauern. Mit einem Schnitt von 10176 ist München Vierter, die „regular season“ 2023/24 hatte der Club auf Rang neun mit 5159 abgeschlossen. Annähernd eine Verdoppelung also, zurückzuführen auf die erhöhten Kapazitäten nach dem Umzug von der Olympia-Eishalle (Baujahr 1967) in den SAP Garden. Der Standort München hat der gesamten DEL zu einem Rekord verholfen. Die vorjährige Bestmarke von 2,62 Millionen Besuchern in den Stadien stieg auf 2,81 Millionen, der Schnitt des einzelnen Spiels von 7169 auf 7746. Ein Plus von acht Prozent. Zweiter Sondereffekt war das Winter Game im Frankfurter Fußballstadion. Die DEL verteidigte Platz eins unter Europas Eishockeyligen vor der Schweiz (7465), Schweden (6621) und Finnland (4613).
„Wir können die Stadien immer mehr füllen, sind bei über 90 Prozent Auslastung“, freut sich Tripcke. Vor der Saison hatte er für den SAP Garden einen Besuch von 9000 aufwärts vorhergesagt, seine Schätzung wurde übertroffen. Anfangs tat sich der EHC München schwer, die 10796 Karten pro Partie zu verkaufen, zuletzt war aber in Serie ausverkauft. Aus Tripckes Sicht typisch für den Standort: „Auch im alten Stadion hat der EHC sich bis weit nach dem Oktoberfest schwer getan, so richtig ging es immer erst nach der Deutschland-Cup-Pause im November los.“ Das Muster wiederholte sich im Garden. „Was ich von den Leuten dort höre“, so Tripcke, „dass viele nicht nur wegen der Halle, sondern wegen des Eishockeys kommen. Die Neugier ist da, aber sie überwiegt nicht. Ich bin froh, dass sie die Bude voll haben, und nicht nur in den Derbys. Auch wenn die Gegner von weiter weg kommen, sind 9500 Münchner da.“ In der zweiten Saisonhälfte sei der EHC auch sportlich in die Sour gekommen.
Für DEL-Chef Tripcke sind daher neben den über ihnen stehenden Ingolstadt, Berlin und Bremerhaven auch Mannheim und München Titelanwärter. Egal wer mit Heimrecht anfängt: „Es ist ein Wahnsinnsduell.“
GÜNTER KLEIN