Es ist ein Muster zu erkennen. Immer, wenn die Bayern-Granden Gefahr laufen, die Deutungshoheit in Vertragsverhandlungen mit Schlüsselspielern zu verlieren, entsteht ein Bild, das die eigenen Profis in ein unglückliches Licht rückt. Der suggerierte Vorwurf: Die Stars seien zu gierig. 2021 bekam das David Alaba zu spüren, der schlussendlich ablösefrei zu Real Madrid wechselte. Nun traf es Joshua Kimmich.
Beim Münchner Mittelfeld-Chef wurde dieses Argument allerdings am Mittwoch vor UND nach dem 3:0 gegen Bayer Leverkusen von Sportvorstand Max Eberl höchstpersönlich einkassiert. Doch wie viel Entscheidungsmacht hat der frühere Leipzig-Boss?
Auf den ersten Blick scheint es so, als hätte der mächtige Aufsichtsrat um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, inzwischen unterstützt von CEO Jan-Christian Dreesen, die Muskeln in der Causa Kimmich spielen lassen wollen. Von einem zurückgezogenen Angebot, das Eberl für den DFB-Kapitän ausgehandelt hatte, war die Rede.
Am Donnerstag trafen sich Aufsichtsrat und Eberl sowie der unscheinbare Sportdirektor Christoph Freund an der Säbener Straße, um über die Kimmich-Zukunft zu entscheiden. Die klare Tendenz: Der 30-Jährige, der das Mia san mia verkörpert wie kaum ein anderer Münchner Star, soll unbedingt über den Sommer hinaus bleiben. Der Spieler ließ nach seiner Galaleistung gegen Leverkusen durchklingen, dass er ebenfalls weiterhin für den Rekordmeister auflaufen möchte. Die Unterschrift soll zeitnah folgen.
Was bleibt, ist die Frage: Wurde hier ein Machtkampf zwischen dem Aufsichtsrat und dem inzwischen kritisch gesehenen Sportvorstand Eberl auf dem Rücken eines der verdientesten Spieler im Kader ausgetragen? Es wirkt jedenfalls so, als wären sich die Gremien – vorsichtig ausgedrückt – wieder mal nicht einig gewesen. Vor der Vertragsverlängerung von Alphonso Davies gab es monatelang ein ähnliches Tamtam..
Auch bei Kimmich, den der FC Bayern im Sommer bei einem passenden Angebot abgegeben hätte, gab der Verein inmitten des sportlichen Höhenflugs ein unglückliches Bild ab. Alle Parteien sollten künftig bei zukunftsweisenden Entscheidungen ihr Ego wieder hintanstellen. Ein erster Anfang wurde beim Kimmich-Gipfel am Donnerstag immerhin gemacht.