Der Shootingstar bleibt: Der Vertrag von Sean Dulic (r.) hat sich um ein Jahr verlängert.
Umarmung für den Matchwinner: Anderson Lucoqui herzt Tim Danhof. © Sampics (2)
München – Gefühlte 20 Grad, die Sonne auch nach Spielende noch hoch am Himmel. Die dunklen Monate bei 1860 sind vorbei, das war am Sonntag nicht nur am Thermometer abzulesen, sondern auch an der Anzeigetafel im Grünwalder Stadion, bei der der Spielstand von 1:0 gegen den „Gast“ aus Dortmund auch nach Spielende Bestand hatte. Was für ein Kontrast zu den Ergebnissen, die dort zwischen November und Februar angezeigt wurden: 1:2 gegen Rostock, 0:4 gegen Verl, zweimal ein 1:1 (Stuttgart, Ingolstadt) und zuletzt das trostlose 0:3 gegen Bielefeld.
Schnee von gestern, denn das Giesinger Frühlingserwachen, das am 1. März in Hannover (3:1 nach 0:1-Rückstand) begann – es setzte sich am Sonntag mit einem sehr beherzten Auftritt fort. Eine viermonatige Heimkrise endete – weil alle Löwen gerade noch rechtzeitig ihren Kampfgeist entdeckt haben. „Wir haben alles wegverteidigt und verdient gewonnen“, kommentierte Kapitän Jesper Verlaat, der sinnbildlich für den Aufschwung steht, sich nach langer Verletzungspause von Woche zu Woche steigert. Mit zwei Siegen aus zwei Spielen haben sich Verlaat & Co. Luft im Abstiegskampf verschafft – als Belohnung geht‘s rauf auf Tabellenplatz 12.
Der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz ist damit wieder etwas komfortabler. Vier Punkte trennen die Löwen vom Tabellen-17. Stuttgart II, der als einziges Kellerteam neben 1860 (und Rückrunden-Primus Essen) dreifach punkten konnte. Im Vergleich zur Rückrunde 23/24 mit Giannikis fehlen drei Punkte (38 waren es da nach 27 Spieltagen), doch auf dem Weg zum selbst gesteckten Ziel sind die Glöckner-Löwen jetzt gut dabei. „45 Punkte plus einer vielleicht noch, wegen Torverhältnis – das ist unser Ziel“, sagte der 1860-Coach am Montag. Zehn, elf fehlen also noch – bei elf ausstehenden Spielen.
Treten die Löwen weiter so leidenschaftlich auf wie am Sonntag, könnte der zwischenzeitlich tief gefallene Drittliga-Dino schon bis Ostern aus dem Gröbsten raus sein. Mut macht nicht nur die mannschaftliche Geschlossenheit, die gegen Dortmund wahrscheinlich spielentscheidend war. Auch die Mischung auf dem Platz passt jetzt. Zwei Siege in Folge, errungen mit dem gleichen Gerüst an Spielern (einmal ohne, einmal mit Hobsch), sprechen für das aktuelle Personal. Sean Dulic blüht an der Seite von Kapitän Verlaat immer mehr auf – durch seinen zehnten Einsatz bei den Profis verlängerte sich sein Vertrag um ein Jahr, wie der Verein gestern meldete (ebenso der von Max Reinthaler). In Danhof/Kozuki rechts und Lucoqui/Wolfram links scheint Glöckner Außenbahn-Pärchen gefunden zu haben, die marschieren können und sich gegenseitig absichern. Im Zentrum war Tunay Deniz erneut der Chef im Ring, abgesichert vom selbstlosen Abräumer Philipp Maier. Nur im Angriff, da sollten alle Löwen, die dort auftauchen, an ihrer Durchschlagskraft arbeiten.
„Solange wir uns Chancen herausspielen, brauchen wir uns nicht zu beschweren“, sagt Tim Danhof, dessen ins BVB-Tor abgelenkte Flanke das Spiel entschied: „Mir ist völlig egal, wer bei uns die Tore macht – Hauptsache, wir bekommen den Ball irgendwie über die Linie.“ Seine Einschätzung: „Es bestätigt unsere Trainingsarbeit, dass wir alles reinhauen. Daran müssen wir anknüpfen. Du musst jetzt einfach gucken, dass du irgendwie die Punkte holst. Dann können wir bald in ruhigere Fahrwasser vorstoßen, glaube ich.“
Am Mittwoch in Wiesbaden (19 Uhr) und am Samstag gegen Haching sind weitere sechs Punkte zu vergeben. Nach der Länderspielpause geht es dann zum VfL Osnabrück, der gerade zum ersten Mal unter Marco Antwerpen verloren hat. Wird der März für 1860 zum Wonnemonat?
ULI KELLNER