Hundertstel-Drama um den WM-Thron

von Redaktion

Friedrich und Lochner trennen 0,03 Sekunden – Laura Nolte holt Silber im Monobob

Gemeinsame Freude bei Francesco Friedrich (re.) und Anschieber Alexander Schüller. © Al Bello/AFP

Erste spanische Bobfrau bei einer WM: Leanna García. © Instagram

Am Ende denkbar knapp zu langsam: Johannes Lochner (li.) und Georg Fleischhauer holen „nur“ WM-Silber. © Al Bello/AFP

Im Zieleinlauf zur Silber-Medaille: Laura Nolte zeigt nach ihrem tollen letzten Lauf pure Emotionen. © Al Bello/AFP

Lake Placid – Francesco Friedrich und Johannes Lochner haben sich unzählige Duelle geliefert – und trieben es diesmal wirklich auf die Spitze. „Es war das härteste Rennen, an das ich mich erinnern kann“, sagte Lochner, der Geschlagene: Mit drei Hundertsteln Vorsprung im Ziel hatte sein Dauerrivale ihm doch noch das WM-Gold im Zweier entrissen. Lochner pfefferte daraufhin frustriert seine Mütze auf den Boden. Und Friedrich jubelte nach dem Sekunden-Krimi in Lake Placid über seinen 17. WM-Titel. Das laute „Yes“ im Ziel war jedoch eher ein Erleichterungsschrei vom zweimaligen Doppel-Olympiasieger.

Der erste WM-Akt war also spektakulär – und die Fortsetzung folgt. „Jetzt heißt es ausruhen“ und dann „wieder in Gang kommen“, sagte Rekordweltmeister Friedrich, der nach seinem Sieg den Fokus augenblicklich auf den nächsten Wettkampf legte. Denn am Samstag und Sonntag steht im Vierer der zweite Akt an, erneut in vier Läufen. Lochner hofft auf „ein spannendes Rennen, vielleicht mit ein paar anderen Nationen vorne dabei“.

Die Messlatte für die Dramatik haben die Kontrahenten in jedem Fall sehr hoch gelegt: Als „durchgehend spannend“ bezeichnete auch Dominator Friedrich das Zweier-Rennen und sagte: „Die paar Hundertstel von gestern haben uns heute den Hintern gerettet.“ Es ist nicht das erste Mal, dass genau solche kleinen Nuancen für den Sachsen den Ausschlag geben. Während Lochner der Gute-Laune-Typ ist, der nur erfolgreich ist, wenn er Spaß hat, überlässt Friedrich nichts dem Zufall. Jedes Detail wird immer wieder überprüft.

Vor den letzten Kurven hatte der Oberbärenburger mit Anschieber Alexander Schüller gar leicht hinten gelegen, schlug mit all seiner Klasse aber noch ein letztes Mal zurück. „Wie macht er das nur?“, ärgerte sich Lochner in der Leaderbox – ehe er seinem Rivalen gratulierte und ihn umarmte.

„Wir wollten so gern die Goldmedaille holen“, betonte der Potsdamer, der nach 2023 weiter auf sein zweites WM-Gold im Zweier warten muss. Bundestrainer René Spieß hätte sich gewünscht, „dass es wieder zeitgleich ist, wie 2017. Beide waren wirklich auf einem Niveau.“ Damals hatten sich die Dauerrivalen im Vierer den ersten Platz geteilt.

Aus dem Team von Adam Ammour, der als Dritter (+0,83) den deutschen Dreifacherfolg perfekt gemacht hatte, gab es Anerkennung für die Ersten und Zweiten: Sie seien „einfach noch ein bisschen besser als wir, in einer anderen Welt“, gestand Anschieber Benedikt Hertel. Wie viel besser, zeigte Lochner, indem er den Uralt-Streckenrekord des Kanadiers Pierre Lueders von 2003 brach. Zu verdanken habe er dies „den sechs Jungs vom Königssee“, die das Eis in „sensationellen Zustand“ versetzt haben. Und damit auch beste Voraussetzungen für das nächste Kapitel des „ewigen“ Duells schaffen.

Bei den Frauen sprang Laura Nolte im Ziel aus dem noch rutschenden Bob und hüpfte vor Freude über WM-Silber übers Eis. Das dritte WM-Gold in Serie schaffte sie zwar nicht, doch mit Laufbestzeit holte sie nochmal auf und rettete Platz zwei. „Ich bin total happy, weil es haben ein paar Sachen nicht zusammengepasst. Kaysha (Love, ihre Konkurrentin aus den USA) war einfach nicht zu schlagen. Ich habe mich zwischen zwei Amerikanerinnen platziert, das kann sich sehen lassen“, sagte die 26 Jahre alte Titelverteidigerin vom BSC Winterberg, die ihren WM-Hattrick im Monobob um 44 Hundertstelsekunden verpasst hatte.
SID

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