Der Heimvorteil spielte zuletzt in den Duellen zwischen München und Mannheim eine große Rolle. © IMAGO
Ist der Konflikt programmiert? Der Münchner Adam Brooks (l.) beim Aufeinandertreffen mit Matthias Plachta von den Adlern Mannheim © IMAGO
München – Am 52. und letzten Spieltag der DEL-Hauptrunde haben Adler Mannheim und EHC Red Bull München in einem Fernduell noch darum gerungen, wer in das Viertelfinale mit dem Vorteil gehen darf, zuhause anzufangen. Es gab schon genug Playoff-Serien, in denen die beteiligten Mannschaften in einen solchen Flow gerieten, dass es für sie keine Rolle spielte, ob sie gerade im eigenen Stadion skateten, checkten und schossen oder in der Heimstatt des Gegners. Doch die Konstellation zwischen Mannheim und München, wo beide Hallen das Logo des Softwareherstellers SAP tragen (Arena vs Garden), ist eine besondere. Hier hat sich eine Gesetzmäßigkeit etabliert: Das Heimteam gewinnt. Das ist seit Jahren so. Letzter Sieg von München in Mannheim: Februar 2020. Letzter Sieg von Mannheim in München: Dezember 2021. Auch in dieser Saison haben sich beide an die Serie gehalten. Die Ergebnisse Adler – EHC: zweimal 4:1. Umgekehrt München – Mannheim: 5:4 und 2:0.
Aber seit 2020 sind die beiden Organisationen auch nur in der „regular season“ aufeinandergetroffen, nicht in den Playoffs. Die Erinnerung an 2018 und 19 lebt und bestimmt die Erwartungen für das Viertelfinale 2025. „Irgendetwas wird passieren“, orakelte der Experte Rick Goldmann in der „Eishockey-Show“ des DEL-Senders MagentaSport. Es könnte eine lange Serie werden, über die Volldistanz von sieben Spielen gehend, und es könnte hart bis fies und schmutzig werden.
Vor gerade einmal gut einer Woche hatte der EHC sein letztes Hauptrunden-Heimspiel – gegen Mannheim, es war das 2:0. Die Münchner Fans bekamen mit, wie anschließend das Magenta-Abschlussinterview auf Seite der Adler mit Matthias Plachta geführt wurde. Sofort setzten die wütenden Rufe ein: „Plachta, du A…“ Im ersten Halbfinalspiel von 2018 hatte der Münchner Steve Pinizzotto Plachta in die Bande gefahren, sodass dieser sichtlich benommen vom Eis gebracht werden musste. Das folgende zweite Spiel setzte Adler-Stürmer Plachta aus, ab dem dritten war er wieder dabei. Die EHC-Fans bezichtigten ihn der Inszenierung. Pinizzotto wurde von der DEL derweil für fünf Spiele gesperrt. Auch Don Jackson, der nun wieder der Münchner Trainer ist, hegt alte Ressentiments gegen Matthias Plachta. Bei einer späteren Gelegenheit verließ er aus Protest gegen eine Aktion Plachtas, die er als absichtliches Fallen interpretierte, die Pressekonferenz in Mannheim.
Sportlich beherrschte München 2018 die Serie (4:1), die Atmosphäre war einerseits aufgeheizt, andererseits auch kameradschaftlich. Kurz zuvor hatte die Nationalmannschaft mit einem großen Münchner und Mannheimer Block die olympische Silbermedaille gewonnen, die Buddys von Pyeongchang behandelten einander rücksichtsvoll, zwischen den anderen aber schepperte es.
2019 lautete das Finale Mannheim – München. Die Adler wurden inzwischen von Pavel Gross gecoacht, diesmal waren sie das bessere Team, gewannen 4:1. Gross war schon aus Wolfsburger Zeiten Jacksons großer Gegenspieler. Als Don Jackson 2023 sich in den (nun aufgehobenen) Ruhestand verabschiedete, verriet er, dem Kollegen Gross die Meisterschaft 2019 aufrichtig gegönnt zu haben.
Am kommenden Sonntag und am Mittwoch in einer Woche, in den ersten beiden Viertelfinal-Partien, wird Jackson auf seinen Top-Torjäger Chris DeSousa verzichten müssen. Er ist gesperrt wegen eines irregulären Checks , den er sich am 2. März im Heimspiel gegen den Mannheimer Luke Esposito geleistet hatte.
Das Viertelfinale fing also schon in der Hauptrunde an.
GÜNTER KLEIN