Fast dreieinhalb Jahre dauerte es, bis Russland im Sommer 2018 zugab, was ohnehin schon alle wussten: systematischen Doping-Betrug bei Heim-Olympia 2014 in Sotschi.
Man kann nur hoffen, dass der norwegische Skiverband schneller den rechten Pfad findet. Denn das Geständnis, das Sportdirektor Jan Erik Aalbu bisher abgab, kann höchstens der Anfang sein. Er selbst will von der Anzug-Schummelei nichts gewusst haben. Wenn das stimmt, hätte er seine schwarzen Schafe deutlich härter angehen müssen. Vom im Beweisvideo sitzenden Cheftrainer Magnus Brevik hat man bis auf eine schmale Bestätigung ebenso nicht viel gehört. Transparenz sieht anders aus. Auch, dass der Betrug nur bei den zwei Springern Forfang und Lindvik – natürlich ebenfalls beide unwissend – und nur beim letzten Einzelwettkampf stattgefunden haben soll, klingt komisch: Wer soll das glauben?
Das Skispringen steht vor einer Zerreißprobe. Wie in vielen anderen Sportarten hat sich auch hier das Material über die Jahrzehnte weiterentwickelt. Wer die (materiellen) Grauzonen ausreizen oder Neues erfinden kann, der tut das. Doch jetzt herrscht Alarmstufe Rot. Es braucht eine vollumfängliche Aufklärung. Im besten noch möglichen Fall kann Norwegen sich dadurch zumindest vom Umfang des russischen Skandals glaubwürdig abgrenzen.