Bayern-Trainer Vincent Kompany hat alle Trümpfe in der Hand.
Joshua Kimmich (links) und Manuel-Neuer-Vertretung Jonas Urbig. © Imago (3)
München – Die Tür zum Champions-League-Viertelfinale steht für den FC Bayern nach dem 3:0 im ersten Achtelfinal-Duell gegen Bayer Leverkusen sperrangelweit offen. Wenn im Rückspiel am Dienstag (21 Uhr, Amazon Prime) alles mit normalen Dingen zugeht, müssen die Münchner nur noch durchgehen. Was soll da schon schiefgehen?
Auf dem Papier spricht im Vorfeld der Partie alles für den deutschen Rekordmeister: Einerseits weil das Polster aus dem Hinspiel mehr als komfortabel ist, andererseits weil die Werkself von Personalproblemen geplagt ist und unter anderem auf Florian Wirtz verzichten muss (siehe Seite 24). Für Vincent Kompany ist der Ausfall jedoch kein Grund, die eigene Taktik anzupassen: „Wir können in unserer Vorbereitung nicht zu viel Unterschied machen. Es gibt so viele andere Spieler, die viel Qualität haben“, erklärte der Trainer auf der Pressekonferenz am Montag. Die Münchner können dagegen personell aus dem Vollen schöpfen, lediglich Manuel Neuer muss wegen eines Muskelfaserrisses in der rechten Wade pausieren und wird erneut vom 21-jährigen Jonas Urbig vertreten.
„Er ist sehr ruhig, war sehr gut im Training“, lobte Kompany das Torwarttalent. Gleichzeitig nahm er aber auch den Rest der Mannschaft in die Pflicht: „In den großen Spielen sind die erfahrenen Spieler wichtig und müssen die Verantwortung übernehmen.“
Auch darüber hinaus ließ der Trainer keinen Zweifel daran aufkommen, mit seinem Team im Rückspiel dominant auftreten zu wollen. „Wenn man Trainer von Bayern ist, ist es mental etwas einfacher. Hier will man immer gewinnen“, erklärte der Coach auf die Frage, ob er die eigene Spielweise aufgrund des komfortablen Drei-Tore-Vorsprungs anpassen wolle. „Natürlich wollen wir das Ergebnis holen, durch das wir weiterkommen. Aber wenn wir ein Spiel anfangen, gehen wir mit der Hauptpriorität rein, dass wir das Spiel gewinnen wollen.“
Doch K.o.-Spiele in der Königsklasse haben schon für das eine oder andere Wunder gesorgt. Und wenn sich einer mit Champions-League-Sensationen auskennt, ist es Bayer-Trainer Xabi Alonso. Im Jahr 2005 war der Spanier als Mittelfeld-Regisseur für den FC Liverpool aktiv und schaffte es mit den Reds ins Finale gegen den AC Mailand. Zur Halbzeit lagen die Engländer ebenfalls mit 0:3 zurück – und starteten nach dem Pausenpfiff eine irre Aufholjagd. Alonso selbst traf im Elfmeter-Nachschuss zum 3:3-Ausgleich, Liverpool siegte im Elfmeterschießen und bejubelte den Henkelpott.
Aber auch die jüngere Königsklassen-Historie kann ein mahnendes Beispiel für die Münchner sein: Barcelona gewann 2019 das Halbfinal-Hinspiel gegen Liverpool mit 3:0 – im Rückspiel setzte sich die Mannschaft des damaligen Teammanagers Jürgen Klopp mit 4:0 durch. Kompany ist daher für die Partie gewarnt: „Am Ende wird es durch die Qualität der Spieler entschieden“, erklärte er vor dem Rückspiel in Leverkusen.
Die Statistik spricht jedenfalls für die Kompany-Elf: In keinem der bislang 27 Fälle gaben die Bayern einen Drei-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel noch aus der Hand.
VINZENT TSCHIRPKE,
MANUEL BONKE