TV-KRITIK

Amazon: Der Friedrich im März

von Redaktion

Jörg Heinrich – Im Fußball jagt derzeit ein Spiel das andere. Es pressiert in der sogenannten Hastenzeit. Deshalb gibt’s heute keine TV-Kritik, sondern unsere Hastenpredigt. Wir bewegen uns auf den Spuren von Roy Derbleck, dem König vom Nockherberg. Auf geht’s zum Sammer-Derblecken!

Das Drumrum: Ein Spiel dauert 90 Minuten – und das Vorab-Brimborium auch. Amazon meldete sich eineinhalb Stunden vor dem Anpfiff. Statt Starkbier konnten die Beteiligten das Sabbelwasser nicht halten. Moderator Alex Schlüter erwies sich als die Heidi Reichinnek des Fußball-TV: Steht links und verkauft charmant wenig Substanz. Er erkundigte sich in der Pause allen Ernstes: „Keine Tore: Gutes Zeichen für den FC Bayern?“ Wer wollte da widersprechen, beim Stand von immer noch 3:0? Motto des strapaziösen Schwatzens: O’verzapft is’!

Die Großkopferten: Matthias Sammer, Chris Kramer, Josy Henning und Heidi Schlüter sollten die Stark-Vier von Amazon sein. Sammer, der Sachsenprediger, lobte sich selbst: „Weil ich den Fußball kenne.“ In Wahrheit hat er den BVB runter auf Platz 10 beraten. Das ist in Sachen Kompetenz so, als wenn Robert Habeck einen Niederbairisch-Kurs für Hubert Aiwanger abhält. Wobei es Parallelen zwischen BVB und SPD gibt, zwischen Matthias Sammer und Lars Klingbeil. Beide haben ihr Packerl zu tragen: Der eine hat Niko Kovac, der andere Saskia Esken. Josy Henning durfte auch was sagen – woran sich eine Minute später aber niemand mehr erinnerte, wie bei Doro Bär. Chris Kramer ist dagegen dermaßen beliebt, viele nennen ihn den Boris Pistorius des Fußballs. Aber auch er wusste nicht mehr als: „Wenn Bayer in der ersten Halbzeit ein Tor schießt, haben wir ein Spiel.“ Hamse aber nicht.

Die Kommentatoren: Jonas Friedrich war der Friedrich im März. Er schilderte „leicht verbolzte Bälle“. Und er spottete bei einem mehrminütigen Kimmich-Eckball herrlich über die Bayern, die kein Interesse an übertrieben viel Tempo hatten: „Das kann schon mal dauern, so ne Ecke.“ Benedikt Höwedes erfand erst den neuartigen Torwart „Jonas Ubrig“, gewöhnte sich im Ubrigen dann aber an die Spielernamen. Amüsant war, wie er nach Kanes 1:0 immer noch über vier Bayer-Tore fantasierte. Fouls von Leverkusen ignorierten die beiden wie Karl Lauterbach einen Salzstreuer.

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