Bereit für den Dreier-Dreierpack

von Redaktion

Endlich „Löwen-Fußball“ – Lauf- und Chancenwerte bestätigen Glöckner

Adrenalin-Löwe: Maximilian Wolfram verkörpert den Biss, den das ganze 1860-Team gegen Dortmund an den Tag legte; nur beim Torabschluss gab es Grund zu hadern. © Sampics / S. Matzke

München – Eine verwegene Idee, eine unhaltbare Bogenlampe aus dem Mittelkreis – damit war er perfekt, der Dreier-Dreierpack, der den Löwen eine perfekte erste Wiesnwoche bescherte. Erst 1:0 in Bielefeld, dann dasselbe Ergebnis gegen Hannover II, gefolgt von besagtem Tunay-Deniz-Geniestreich zum 2:1-Auswärtssieg bei Dortmund II. Drei Siege binnen acht Tagen – eine Einmaligkeit in dieser weitgehend verkorksten Saison. Das Wiesn-Hoch der Löwen endete eine Woche später – mit einer enttäuschenden 2:3-Heimpleite gegen Wiesbaden.

An diesem Mittwoch kommt es zum Rückspiel mit den Hessen, und das Schicksal will es, dass die Löwen wieder einen Höhenflug hinter sich haben. Wende-Sieg nach Rückstand in Hannover (3:1), gefolgt von einem 1:0-Heimerfolg gegen Dortmund II, der auch ein Schützenfest hätte werden können. Die Chance ist nun da, zum zweiten Mal in dieser Saison einen Dreier-Dreierpack zu schnüren. Damit wäre nicht nur die Hinspielpleite getilgt, ein Erfolg in Wiesbaden würde auch den Aufwärtstrend bestätigen, den nicht nur neutrale Beobachter am Sonntag registriert haben, sondern auch Patrick Glöckner, der aus Hessen stammende 1860-Coach.

Ein knappes Dutzend Strafraumszenen, Außenbahnsprints, eingesprungene Grätschen und andere beherzte Klärungsaktionen. Was die Löwen am Sonntag boten, kam dem Ideal von Sportchef Christian Werner recht nahe. „Löwen-Fußball“ hatte der bei seinem Amtsantritt angekündigt. Im Sommerinterview mit unserer Zeitung präzisierte er: „Wir werden aggressiver auftreten, siegesorientierter und dominanter.“ Über weite Strecken dieser Saison war nicht viel zu sehen von Werners Wunschtugenden, wohl aber beim „Fahrkarten-Festival“ gegen Dortmund. Und das gute Grundgefühl, das viele Löwen-Fans in den 95 Minuten am Sonntag hatten, es lässt sich laut Glöckner sogar mit Zahlen belegen.

Die BVB-Bubis seien „keine Micky-Maus-Truppe“, zollte der 1860-Coach dem Gegner Respekt: „Deswegen war es wichtig, dass die Jungs vom Punkt weg da sind. Im hochintensiven Bereich, also über 24,5 km/h, haben wir alles getoppt, was wir bisher hatten. Und wir hatten einen xG-Wert von 3,94 auf unserer Seite.“ Sprich: Vier Löwen-Treffer wären angesichts der Chancen-Qualität erwartbar gewesen. Zum Vergleich der xG-Wert des BVB: 0,59. „Deswegen freuen wir uns total darüber, dass die Mannschaft in Summe so gut funktioniert hat. Von der Nummer 1 bis zur 20 war wirklich alles da – auch die Jungs, die später noch von der Bank kamen. Das zeigt, dass wir wirklich zueinander gefunden haben und jeder dem anderen was gönnt.“

Genau so, fordert der 1860-Coach, sollte die Mannschaft auch am Mittwochabend in Wiesbaden auftreten (19 Uhr, MagentaSport live). „Wir haben unser nächstes Endspiel, den nächsten Test, den wir für uns bestehen wollen“, sagt er: „Das heißt: Zweikämpfe annehmen, 90 Minuten Gras fressen, rennen, in alles reinwerfen – so wie wir es jetzt gemacht haben.“ Der dritte Sieg in Folge wäre auch für ihn selbst ein schöner Erfolg. Glöckner glaubt daran, wenngleich er verbal defensiv bleibt: „Wiesbaden ist der klare Favorit. Wir wissen, dass wir im Abstiegskampf sind und uns zerreißen müssen.“
ULI KELLNER

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