ZUM TAGE

Die Lehren aus dem Fall Goretzka

von Redaktion

Leon Goretzka hat lange nicht mehr auf einem Podium gesessen, aber als es am Montagabend in Leverkusen dann doch mal wieder so weit war, galt das Gesetz der Branche auch für ihn. Jeder weiß, dass im Kosmos des FC Bayern keine Pressekonferenz vergeht, ohne dass die Protagonisten auf Statements ihrer Chefkritiker reagieren müssen. Wird Didi Hamann zitiert, rümpfen sie schon vor dem Ende der Fragestellung die Nase; ist Lothar Matthäus Thesen-Geber, geht es nicht immer ganz so kritisch zu. Im konkreten Fall von Goretzka spielten die jüngsten Aussagen des Rekordnationalspielers dem Befragten sogar in die Karten. Höchstes Lob von höchster Stelle – Goretzka musste den Ball nur noch verwandeln. Die simple Antwort in Kurzzusammenfassung: Vielen Dank, ich gebe weiter mein Bestes.

Dabei wird nicht nur Matthäus zusehen, sondern auch alle anderen, die es zwischendurch nicht ganz so gut mit Goretzka gehalten haben. Während der Sky-Experte nämlich tatsächlich seit Wochen, Monaten, sogar Jahren stets hinter dem zwischendurch aufs Abstellgleis geratenen Mittelfeldspieler stand, hatten andere Goretzka im roten Trikot längst abgeschrieben. Hamanns Aussagen etwa pendelten zwischen „Für Goretzka wird es schwer“ bis hin zu „Wenn er spielt, ist immer auf ihn Verlass“ – wie ein Fähnchen im Wind. Nicht wenige legten ihm einen Abschied im Winter nahe, Stichworte: kein Platz, kein Bayern-Format. Goretzka aber hat es geschafft, sich von alldem nicht verrückt machen zu lassen. Er hat seinen Weg unter Vincent Kompany weiterverfolgt – das zeugt von Stärke, die ihn von vielen Kollegen abhebt.

Allein die Spielminuten – nach Joshua Kimmich hat Goretzka die meisten im defensiven Mittelfeld gesammelt – sprechen für ihn. Vielmehr aber lohnt es sich, seine lange erwarteten Aussagen vom Montag im Detail zu analysieren. Er hat noch nicht fertig, das konnte man raushören, genau wie die Basis, auf der sein Kampfgeist im letzten halben Jahr aufgebaut hat. Dass das Verhältnis zu Kompany nie gelitten hat, sondern als explizit hervorragend dargestellt wird, spricht eine eindeutige Sprache. Der junge Mann an der Seitenlinie mag (und darf!) noch den einen oder anderen Fehler machen. Aber er erreicht seine Spieler wie vor ihm lange kein Bayern-Trainer. Das übrigens sagen nicht nur Hamann oder Matthäus.

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