„Für Red Bull geht‘s bergab“

von Redaktion

Schumacher und Roos nehmen die neue F1-Saison und die Fahrer ins Visier

Die deutsche Stimme der Formel 1: Sascha Roos. © IMAGO

TV-Experte Ralf Schumacher. © IMAGO

Die 20 Fahrer der 75. Formel-1-Saison: Alexander Albon (Williams), Jack Doohan (BWT Alpine), Isack Hadjar (Visa Cash App), Oscar Piastri (McLaren), Lance Stroll (Aston Martin), Esteban Ocon (Haas), Nico Hülkenberg (Stake), Gabriel Bortoleto (Stake), Lewis Hamilton (Ferrari), Andrea Kimi Antonelli (Mercedes), Pierre Gasly (BWT Alpine), Fernando Alonso (Aston Martin), Lando Norris (McLaren), Oliver Bearman (Haas), George Russell (Mercedes), Yuki Tsunoda (Visa Cash App), Carlos Sainz (Williams), Liam Lawson (Red Bull), Max Verstappen (Red Bull), Charles Leclerc (Ferrari) – von links oben nach rechts unten. © IMAGO

Sie bleiben die Stimmen der Formel 1 in Deutschland: Sky überträgt auch 2025 jedes Rennen live. Und meistens sitzt Ralf Schumacher als Experte an der Seite von Kommentator Sascha Roos. 17 der 24 Grand Prix sind exklusiv bei Sky zu sehen. Die restlichen sieben laufen parallel im Free-TV bei RTL: Shanghai, Imola, Barcelona, Montreal, Spa, Zandvoort und Las Vegas. Für unsere Zeitung analysiert das Sky-Duo Roos und Schumacher die neue Saison, die am 16. März in Australien startet.

Lewis Hamilton wirkt vor seinem ersten Rennen für Ferrari euphorisch, er schwärmt vom Auto, von Spaghetti und Pizza. Wie lange halten die italienischen Flitterwochen an?

Schumacher: Entscheidend wird für Lewis sein, wie gut der Ferrari zu seinem Fahrstil passt. Er ist keiner, der sich wie Max Verstappen in jedes Auto setzt, und gleich das Limit findet. Er braucht das für ihn perfekte Paket, dann ist er gut. Sollte das nicht der Fall sein, wird Lewis erleben, wie sich Italien anfühlt, wenn ein Ferrari-Fahrer nicht performt. Dann gibt es die Pizza ohne Belag.

Roos: Sein Teamkollege Charles Leclerc hat den Vorteil, dass er das Team kennt, dass er italienisch spricht, und dass es zumindest in Grundzügen „sein“ Auto ist. Wobei Ferrari den SF-25 doch kräftig umgebaut hat. Das könnte Lewis helfen, wenn auch Charles quasi wieder bei Null anfangen muss.

Bei Ferrari gibt es das Duell Alt gegen Jung – während bei McLaren zwei junge Wilde fahren. Wie seht Ihr das Duell zwischen Lando Norris und Oscar Piastri?

Schumacher: Ich hätte letztes Jahr etwas mehr von Oscar Piastri erwartet. Er hat das Quali-Duell 4:20 gegen Lando verloren, das ist mir zu viel. Dieses Jahr muss sich zeigen, ob Oscar wirklich der Top-Top-Pilot ist, der neue Verstappen. Ich glaube nicht daran. Ich sehe ihn eher als sehr gute Nummer zwei.

Kann Red Bull auch ohne Adrian Newey wieder Weltmeister werden?

Schumacher: Kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube, von hier an geht’s bergab. Da werden noch einige Leute weggehen. Und es fehlt der Gesamtüberblick eines Newey, der ein Formel-1-Auto von der Mechanik bis zur Aerodynamik komplett versteht.

Roos: Bei Red Bull spürt man, dass der Zusammenhalt und die Wärme weg sind, die das Team zu Zeiten von Didi Mateschitz ausgezeichnet haben. Er hat dafür gesorgt, dass sich die Leute – bei allem Erfolgsdruck – wohlgefühlt haben. Das ist vorbei, und das wirkt sich natürlich auf die Leistungen aus.

Wann wechselt Max Verstappen von Red Bull zu Aston Martin, zum neuen Team von Adrian Newey?

Schumacher: Fernando Alonso wird ja nicht fahren, bis er 50 ist. Bei ihm kann man davon ausgehen, dass er Ende 2026 den Helm an den Nagel hängt, und sich um sein Rennfahrer-Management mit Flavio Briatore kümmert. Dann braucht Aston einen neuen Top-Fahrer. Beim eigenen Red-Bull-Motor für 2026 gibt es offenbar Probleme beim elektrischen Anteil, wie ich höre. Wenn es da nicht vorangeht, wird Papa Jos Verstappen schon Sorge dafür tragen, dass Max auch in Zukunft in einem Siegerauto sitzt.

Der Flirt zwischen Max und Mercedes hat sich abgekühlt.

Roos: Weil Toto Wolff hofft, dass er mit Kimi Antonelli jetzt seinen eigenen Verstappen hat.

Schumacher: Kimi hat mit seinen 18 Jahren auf jeden Fall den Speed, den man braucht. Ich habe ihn bisher als unheimlich netten jungen Mann erlebt, mit einer sehr geerdeten und angenehmen Familie. Für Toto ist das ja eine Art Vater-Sohn-Ding.

Was machen unsere Deutschen? Sauber ist auf dem Weg zum Audi-Werksteam. Nico Hülkenberg und der junge Gabriel Bortoleto sollen mehr Punkte einfahren als letztes Jahr Valtteri Bottas und Zhou Guanyu.

Roos: Dort kommt mit Jonathan Wheatley von Red Bull ein exzellenter Mann als Teamchef, der ist ein großer Gewinn. Interessant wird sein, was mit Mattia Binotto passiert. Er steht aus seiner Zeit bei Ferrari ja nicht unbedingt für unfassbaren Erfolg.

Schumacher: Mich hat es bei Sauber-Audi schon erstaunt, für welches Durcheinander eine Marke sorgen kann, bevor sie überhaupt das erste Rennen gefahren ist. Wenn man dort kapiert, dass man ein Formel-1-Team nicht führen kann wie einen Konzern, kann Audi durchaus weiter nach vorne kommen – aber noch nicht 2026, sondern eher 2028 oder 2029.

Roos: Wenn das Auto passt, könnte ich mir schon vorstellen, dass Nico ungefähr da fährt, wo er auch letztes Jahr mit Haas war – ab und zu im Q3, und regelmäßig mit der Aussicht auf Punkte.

Einfache Frage zum Schluss: Wer wird Weltmeister?

Roos: Lando Norris.

Schumacher: Der Schnellste.

Und wer ist am Ende der Schnellste?

Schumacher: Ich bin Optimist und sage, dass Charles Leclerc eine gute Chance hat.


INTERVIEW: JÖRG HEINRICH

Artikel 9 von 11