Mit Kampfgeist agierten die Bayern um Laimer. © IMAGO
Gefeiert: Alphonso Davies nach dem 2:0. © AFP
Da war‘s passiert: Kane setzte mit seinem Treffer in der 52. Minute die Kirsche auf die Torte. Leverkusen war zu harmlos für ein Wunder. © Fassbender/AFP
Leverkusen – Die Botschaft, die am Dienstag aus der Bayern-Kurve in der Leverkusener BayArena gesendet wurde, galt zwar den Fußball-Verbänden – aber sie passte zum Motto, unter dem der FC Bayern diesen besonderen Abend bestritt. Unter dem Rauch der Pyrotechnik war auf einem Banner zu lesen „Wann wo wie entscheiden wir!“, und das Team von Vincent Kompany setzte genau diesen Satz auch auf dem Rasen um. In einer Mischung aus Spielwitz, Dominanz und Souveränität ließ der Rekordmeister beim 2:0 (0:0) im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen den amtierenden Double-Sieger nach dem 3:0 im Hinspiel keine Zweifel mehr aufkommen, wer die derzeit beste Mannschaft in Deutschland ist. Nächster Halt: Viertelfinale gegen Inter Mailand.
Als Harry Kane das 1:0 gelang (52.), brach es regelrecht aus ihm heraus, beim 2:0 von Alphonso Davies (71.) wurde es noch emotionaler. Es war die Krönung eines beeindruckenden Auftritts, der als Statement gewertet werden kann – und Schwung gibt für die nächste Runde im San Siro. Zum 35. Mal stehen die Bayern in der Runde der letzten Acht, das Ziel ist klar: Die „Road to Munich“ bis zum Finale dahoam am 31. Mai ist nur noch vier Spiele lang.
Wenig überraschend hatte Vincent Kompany sein Team im Vergleich zum 2:3 gegen den VfL Bochum wieder komplett umgekrempelt. Im Tor kam Jonas Urbig zu seinem Startelfdebüt in der Champions League, davor konnte der Bayern-Coach – im Gegensatz zu seinem Gegenüber Xabi Alsonso – den ersten Anzug aufbieten. Über den Dreh- und Angelpunkt Joshua Kimmich wollten die Bayern das von Max Eberl vorgegebene Ziel, „mannhaft dagegenzuhalten“, umsetzen. Bereits nach weniger als zehn Minuten hatten Konrad Laimer und Kingsley Coman Gelb gesehen. Aber obwohl der Sportvorstand prophezeit hatte, dass „Leverkusen versuchen wird, schnell ein Tor zu schießen“, kamen die Bayern zur ersten Gelegenheit.
Jamal Musiala setzte sich auf der rechten Seite sehenswert durch und bediente Kane, der im Hinspiel doppelt getroffen hatte. Glück für Leverkusen, dass Lukas Hradecky, der den unglücklichen Matej Kovar ersetzte, den Ball aufkratzen konnte. Ein frühes 1:0 der Bayern galt es für die Bayer-Elf, in der anders als im Hinspiel in Patric Schick ein nomineller Stürmer auf dem Feld stand, tunlichst zu vermeiden. Grimaldo per Freistoß (11.), Palacios (13.) und Schick (38./44.) waren aber aber auf der eigenen Seite zu harmlos, dafür hatte Kane die nächste gute Gelegenheit aus dem Lauf (15.), ehe Olise aus der Ferne abzog (16.) und Kingsley Coman das Außennetz traf (29.). Bessere Chancen für die Bayern in der ersten Halbzeit des hitzigen Spiels – auf den Rasen wie auf den Rängen.
Die Stimmung war bombastisch, aber alle wussten: Wenn nicht schnell etwas passiert, schwinden Leverkusens Chancen minütlich. Die Intensität stimmte, Bayern aber war überlegen. Selbst Urbig strahlte Souveränität aus – und wurde nach der ersten gelungenen Aktion demonstrativ von Kimmich abgeklatscht. Die Kompany-Elf agierte eingeschworen, schnell nach vorne, wach nach hinten. Dass Leverkusen besser spielte als vergangene Woche, war daher so gut wie egal. Vollkommen egal war es dann, als Kane nach einem Kimmich-Freistoß das 1:0 gelang und Davies nach Kane-Vorarbeit den Sack zumachte (71.). Die Gastgeber warfen alles nach vorne, aber das Wunder blieb aus – auch weil Urbig mehrfach da war. Wie gesagt: Wann wo wie (gewonnen wird), bestimmen die Bayern. Passend, dass die Fans sangen: Hier regiert der FCB!
H. RAIF, V. TSCHIRPKE