Die Zeugwarte des FC Bayern hatten für das Achtelfinal-Rückspiel in Leverkusen einen Spezialauftrag vom Münchner Trainerteam erhalten: Sie klebten im Kabinentrakt die Marschroute für den deutsch-deutschen Champions-League-Abend auf den Boden: „Job is not finished“ (zu Deutsch: Der Job ist noch nicht erledigt) war dort in roten Lettern zu lesen. Dieses Zitat stammt von Kobe Bryant aus dem Jahr 2009. Die mittlerweile verstorbene Basketball-Legende und die Los Angeles Lakers hatten damals in der NBA-Finalserie ebenfalls einen komfortablen Vorsprung auf Kontrahent Orlando Magic und Bryant warnte davor, sich der Sache zu sicher zu sein.
Und die Bayern nahmen sich den schriftlichen Arbeitsauftrag gegen die Werkself zu Herzen, den Sportvorstand Max Eberl vor Anpfiff wie folgt formulierte: „Mannhaft dagegen verteidigen und das Chaos nicht zu groß werden lassen.“ Gesagt, getan. Es war eine reife, weil erwachsene Leistung des deutschen Rekordmeisters, der in dieser Königsklassen-Partie keine Lust auf Drama hatte und einen souveränen Auswärtssieg einfuhr. Es scheint tatsächlich so, als hätten die Münchner in den vergangenen Wochen gelernt, ergebnisorientiert Fußball zu spielen.
Vor allem im Februar bot das Kompany-Team in seinen Auftritten wenig Spektakel – und musste dafür auch viel Kritik einstecken. Statt auf eine eindrucksvolle Spielweise zu setzen, blieb das bayerische Star-Ensemble lieber von Spiel zu Spiel ungeschlagen und zog Punkt für Punkt davon. Abgesehen vom vermurksten Reserve-Auftritt gegen Bochum am Wochenende (2:3), versteht sich.
Im San Siro nicht kindlich werden
Insbesondere auf internationalem Parkett haderten Ausnahmedribbler Jamal Musiala und seine Teamkollegen mit ihren Leistungen, doch die beiden souveränen Auftritte gegen Leverkusen sollten ihnen das nötige Selbstbewusstsein für die anstehenden Königsklassen-Hürden gegeben haben. Im Viertelfinale wartet nun Inter Mailand, das aktuell das Nonplusultra im italienischen Fußball ist. Im San Siro darf der deutsche Vorzeigeclub nicht in alte (kindliche) Muster der diesjährigen Champions-League-Spielzeit verfallen – ansonsten kann der Traum vom „Titel dahoam“ schneller platzen, als es dem FC Bayern lieb ist. Es bedarf erneut einer reifen Leistung.