Springer-Skandal noch schlimmer?

von Redaktion

Norwegen soll auch Bindungen manipuliert haben – FIS kündigt erste Ergebnisse an

Suspendiert: Norwegens unter Druck geratener Chefcoach Magnus Brevig. © Imago

München – Es war der große Skandal der nordischen WM in Trondheim, die Manipulationen an den Anzügen der norwegischen Skispringer. Nun deutet sich immer mehr an: Die Sache könnte noch weitaus tiefer gehen als zunächst angenommen. Wie der norwegische Fernsehsender TV2 berichtete, wurden auf Bildern des Skis von Normalschanzen-Weltmeister Marius Lindvik Hinweise entdeckt, dass auch dessen Bindung manipuliert worden sein soll.

Im Detail: Die Innenseite der Bindung soll abgeschliffen worden sein. Ein derartiger – verbotener – Eingriff reduziert nicht nur das Gewicht des Skis, er soll auch den Übergang in die Flugposition erleichtern. Die Sache wird doppelt pikant als es sich auf den Bildern um die Bretter handeln soll, die Lindvik bei seinem Sieg auf der kleinen Schanze getragen hat. Der mittlerweile suspendierte Trainer Magnus Brevig stritt das ab, Lindviks Teamkollegen indes wollten es nicht ausschließen, dass es sich um die Ski des Weltmeisters handelt.

Überhaupt: Team Norwegen bleibt der Linie dieser Tage treu, nur scheibchenweise reinen Tisch zu machen. Der ebenfalls suspendierte Material-Chef Adrian Livelten bleibt bei seiner Darstellung, auch die Eingriffe an den Anzügen – im Kern ein eingenähtes Band, das das Textil stabilisierte – seien ohne Wissen der Springer vorgenommen worden. DSV-Ass Andi Wellinger will daran nicht glauben. „Wenn Änderungen am Anzug stattfinden, dann stehe ich da drinnen und ich merke, dass der anders ist und frage nach, was da geändert wurde“, sagte er.

Immerhin: Die Norweger übergaben die WM-Anzüge an den Weltverband FIS. Der will am Mittwoch erste Ergebnisse veröffentlichen. FIS-Materialhüter Andreas Bauer, früher DSV-Bundestrainer der Frauen, denkt zudem an eine Kontroll-Automatisierung durch 3D-Scanner.
RP

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