125 Jahre – 125 Millionen?

von Redaktion

Club-WM könnte für Bayern zur Super-Finanzspritze werden

Objekt der Begierde: Die Club-WMTrophäe-. Wer sie gewinnt, kriegt auch einen dreistelligen Millionen-Betrag. © IMAGO

München – Am 22. März schnuppert das Objekt der Begierde schon mal Münchner Luft. Wenn der Streaming-Sender DAZN im BMW Park zur zweiten Ausgabe der Infinity League lädt, wird die Trophäe der Club-WM aus nächster Nähe zu bestaunen sein. Überhaupt steht das moderne Kleinfeld-Turnier ganz im Zeichen des rundum erneuerten Wettbewerbs, der von 14. Juni bis 13. Juli in den USA ausgetragen wird, schließlich gehören die Teilnehmer FC Bayern, Borussia Dortmund, Juventus Turin und Inter Mailand allesamt zu den zwölf europäischen Startern bei der Club-WM. Ein kleiner offizieller Startschuss also, gut drei Monate vor dem Turnier, das auch an der Säbener Straße inzwischen absolute Priorität genießt. Vor allem mit Blick auf die Finanzen.

Man kann den Umgang mit dem Format, das für alle 32 antretenden Vereine Neuland ist, bei den Bayern als Prozess beschreiben. War man intern zunächst skeptisch – Stichworte: viel Aufwand, hohe Belastung –, hat der Blick auf die Konkurrenz sowie die erfolgreiche Sponsoren-Akquise seitens der FIFA dazu geführt, die eigene Herangehensweise anzupassen. Es geht da um die Größe des Trosses, um die Aufstellung der Mannschaft, die Fülle an Terminen vor Ort, die Verknüpfung des USA-Aufenthalts mit Marketing-Maßnahmen. Inzwischen ist klar: Der Rekordmeister wird alles daran setzen, maximalen Ertrag zu erzielen. Monetär und sportlich. Man hört oft: „Wir wollen das Ding gewinnen.“

Prestige und internationales Standing sind gerne genommen. Aber die Bayern-Bosse haben vor allem das finanzielle Potenzial der Club-WM im Blick. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass das berühmt-berüchtigte Festgeldkonto schmilzt. Und genauso wenig ist es ein Geheimnis, dass die FIFA im Rahmen des Wettbewerbs rund eine Milliarde Euro ausschütten wird. Aktuell liegt der Finanzplan zur Abstimmung bei der europäischen Club-Vereinigung ECA, mit offiziellen Zahlen ist in Kürze zu rechnen. Die Bayern aber könne längst mit Millionen planen: Bis zu 39 können die großen Clubs zum Start erhalten – und im besten Fall rund 125.

Sollte es im Jahr des 125. Geburtstags zur Maximalausschüttung kommen, wäre das das schönste Geschenk. Die vorläufige Rechnung ergibt: Rund 35 Millionen der 525 Mio. Euro Startgeld können die Bayern als drittgrößter der europäischen Starter einrechnen, der große Reibach winkt dann ab dem Achtelfinale. 475 Mio. Euro werden unter den besten 16 Teams vergeben, ein Sieg am 13. Juli im MetLife Stadium von East Rutherford könnte die Summe auf 125 Millionen Euro hochtreiben.

Gelingt das, wären die finanziellen „Sorgen“ schon deutlich kleiner. Es ist aber nur logisch, dass mangels Planbarkeit parallel an vielen Baustellen gearbeitet wird. Sportlich sowieso, denn in der Champions League winken bis zu einem möglichen Sieg im Finale dahoam noch 58,5 Millionen Euro. Aber auch infrastrukturell – der Neubau des Leistungszentrums wurde verschoben – sowie kadertechnisch. Die Altlasten der üppig ausgehandelten Verträge aus Zeiten von Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic wirken nach, zudem ist Max Eberl vom Aufsichtsrat wiederholt daran erinnert worden, sorgsamer mit dem Kaderbudget umzugehen. Von einem Machtkampf allerdings will niemand etwas hören. Das Organ gehe seiner Pflicht nach, heißt es. Und kontrollieren heißt auch mal nein sagen.

Jedem ist bewusst, dass es schon rosigere Zeiten gegeben hat. Daher alle Kraft auf die Club-WM! Am 24. März übrigens – zwei Tage nach dem Auftritt im BMW Park – ist die Trophäe dann zu Gast an der Säbener Straße. Da, wo sie ab Sommer dauerhaft stehen soll.
H. RAIF, P. KESSLER, V. TSCHIRPKE

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