Der „Ex“ Goretzka ist wieder aktuell

von Redaktion

Bundestrainer Julian Nagelsmann und seine „fußballromantische Geschichte“

Debütant Yann Aurel Bisseck von Inter Mailand. © IMAGO

Fünf Jahre weggewesen: Nadiem Amiri.

Spektakulärste Personalie: Leon Goretzka ist wieder Nationalspieler. © IMAGO

München – So originell die Nominierung für die Fußball-Europameisterschaft im vorigen Jahr auch war, tröpfchenweise, über diverse mediale Kanäle – Bundestrainer Julian Nagelsmann musste sich im Sommer 2024 ausführlich zu den Spielern äußern, die er nicht berufen hatte fürs große Turnier im eigenen Land. Im Raum stand die Stinkstiefel-These, ein Dementi-Satz von Nagelsmann dazu lautete: „Es bedeutet nicht, dass das schlechte Menschen sind, weil sie nicht bei der EM dabei sind.“ Kontrovers diskutiert wurde vor allem die Nichtberücksichtigung von Leon Goretzka, denn zu den gemeinsamen Zeiten des jetzigen Bundestrainers und des Mittelfeldspielers beim FC Bayern hatten sie wie Bündnispartner gewirkt und nicht wie Gegner.

Nun aber ist alles wieder gut zwischen Julian und Leon. Goretzka, den man schon Ex-Nationalspieler zu nennen versucht war, gehört ab dem kommenden Montag wieder zur Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes, wenn diese sich in Dortmund zur Vorbereitung auf das Nations-League-Viertelfinale gegen Italien (Hinspiel am Donnerstag in Mailand, Rückspiel am Sonntag in Dortmund) trifft. „Es ist immer leichter, jemanden zu nominieren als ihn nicht zu nominieren“, sagt Nagelsmann. Er versichert, „dass wir immer einen guten Draht zueinander hatten“. Kürzlich kam es zu einem persönlichen Treffen, am Dienstag übermittelte der Bundestrainer dem Spieler telefonisch die Einladung zum Comeback. Und so krönt Goretzka (30) seine im Verein gezeigte Resilienz mit der Rückkehr in die Nationalmannschaft.

Fraglos hilft dem Münchner die Konstellation, dass einige Stammspieler wie Florian Wirtz und Kai Havertz oder der eine mit seiner vergleichbare Position spielende Vereinskollege Aleksandar Pavlovic verletzt oder erkrankt nicht zur Verfügung stehen. Zudem achtet Julian Nagelsmann darauf, wie sich Nationalspieler in den Clubs machen. „Mit 30 Prozent Spielzeit im Verein wird man kein Nationalspieler sein können“, erklärt er. Weil sie in der Bundesliga derzeit nicht auffällig performen, gehören etwa Innenverteidiger Waldemar Anton (Dortmund) oder der Stuttgarter Mittelfeldspieler Chris Führich (Nagelsmann: „Zu geringer Outcome“) nicht zum Kader für Italien. Dafür ist einer wieder dabei, der lange noch viel weiter weg schien von der Nationalmannschaft als Leon Goretzka: Nadiem Amiri (28). Bei ihm ist die letzte Berufung fünf Jahre her. In Mainz spielt Amiri „eine herausragende Saison“, so Nagelsmann, der die Kriterien für eine „fußballromantische Geschichte“ erfüllt sieht. „Ich habe ihn von Ludwigshafen nach Hoffenheim geholt.“ Das war 2012, der heutige Bundes- war Nachwuchstrainer im Kraichgau und Amiri noch keine 16.

Nadiem Amiri sei derjenige aus dem Kader, „der wohl am wenigsten mit seiner Nominierung gerechnet hat“ (obwohl mit Inter-Mailand-Legionär Yann Aurel Bisseck ein weiterer Überraschungsspieler und Debütant dabei ist). Grundsätzlich sei es so, dass Spieler „am Telefon nicht vor Freude rumschreien – denn sie wollen cool rüberkommen und freuen sich erst nach dem Auflegen“. Amiri jedoch sei „sicher am emotionalsten damit umgegangen“.
GÜNTER KLEIN

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