Dämlich: Der Böller-Wurf auf Marco Hiller. © Stefan Matzke
Nach dem Derby-Sieg 2024 feierte Schwabl noch mit den Fans, nun ist die Stimmung gekippt. © IMAGO
München – Schlagen bei Duellen zwischen dem TSV 1860 München und der SpVgg Unterhaching Fans über die Stränge, waren diese in den letzten Jahren zumeist dem Giesinger Lager zugehörig. Doch beim S-Bahn-Derby am vergangenen Samstag – 2:1 für Sechzig – konnte man den Löwenanhängern keinen Vorwurf machen, sie peitschten ihr Team lautstark zum so wichtigen Heimerfolg.
Ganz anders die Lage bei den Gästen aus der Vorstadt. Die Nerven bei einigen Fans der SpVgg liegen blank. Im hitzigen Duell im Grünwalder Stadion haben sich Anhänger aus der Münchner Vorstadt nicht nur im Ton vergriffen, sondern auch Kapitän Markus Schwabl bespuckt, der sich auf Instagram zu Wort meldet. „Mir wäre es auch deutlich lieber, sich jedes Wochenende feiern zu lassen, aber so läuft es im Fußball nicht. Wo aber definitiv Grenzen überschritten wurden, ist, wenn meine Familie unter der Gürtellinie beleidigt wird“, schreibt der 34-Jährige. „Wenn ich – so wurde es mir von einigen Personen bestätigt, da ich es selbst nicht bemerkt habe – nach dem Derby am Zaun von eigenen „Fans“ angespuckt werde. Wenn aus unserer Fankurve ein Böller auf Marco Hiller geworfen wird. Wenn Manu Stiefler aufs Übelste beleidigt wird.“ Rumms, das war deutlich.
Der Sohn von Präsident Manni Schwabl und spielende Sportdirektor hat zwar Verständnis für den Frust der eigenen Anhänger und sei für jede Kritik offen, fordert aber einen anderen Umgang: „Ich liebe diesen Verein seit 2001 und werde/habe mich in jedem meiner weit über 300 Spiele auf dem Feld zerrissen. Ich erwarte keine Dankbarkeit, schon gar nicht aktuell und ich weiß auch, dass es die im Fußball nur sehr selten gibt, aber ich erwarte definitiv etwas Anstand.“
Unter dem Text meldeten sich zahlreiche ehemalige und aktuelle Teamkollegen Schwabls – darunter Ex-Löwe Julian Weigl, SpVgg-Stratege Johannes Geis und Werder-Keeper Michael Zetterer–, sprachen dem Routinier Mut zu und zeigten Verständnis für dessen Unmut.
Doch auch abseits des Fußball-Geschäfts ist die Anteilnahme groß. Neben Comedian Simon Pearce meldete sich auch Ski-Legende Hilde Gerg zu Wort: „Was mich am Fußball im allgemeinen stört, sind Menschen, die sich als Fans ausgeben und ihren eigenen Frust über was auch immer dann ablassen. Und das, weil andere Menschen (das Team auf dem Fußballplatz) nicht so handeln, wie es der Fan gerne hätte. Da möchte ich oft den Rat geben: Geh zum Sport, reagiere dich ab und gehe dann erst ins Stadion. Bleibe einfach ein Mensch mit Anstand.“ Wahre Worte von Gerg …
MBU/JB