Stimme des Münchner Basketballs

von Redaktion

Thomas Killian erlebte gegen Ulm sein 500. Spiel für den FC Bayern

Marco Pesic (r.) überreicht Killian ein Jubiläumstrikot. © FCBB

Der Trophäenkeller: Killians heimische Trikotwand aus 15 Jahren am Mikro. © privat

Zwischen Moderator und Animateur: Killian ist seit 2010 festes Inventar beim FC Bayern-Basketball. © imago

München – Vielleicht war es ja ganz gut, dass sich Thomas Killian mit seinem großen Tag dann doch noch ein bisschen Zeit gelassen hat. Das Euroleague-Spiel am Freitag gegen Efes Istanbul, den Wassereinbruch im SAP-Gaden inklusive, wäre dann doch eher ein kniffliges Jubiläum geworden. Aber was heißt schon knifflig bei einem Mann, der das Münchner Sportpublikum seit eineinhalb Jahrzehnten durch die Basketballspiele moderiert.

So war der Bayern-Sieg im Spitzenspiel gegen Ulm das 500. Spiel mit dem 43-Jährigen am Hallenmikrophon. Damit bewegt sich Killian in schöner Münchner Tradition – auch bei den Fußballern (Stephan Lehmann seit 1996) und im Eishockey (Stephan Schneider hörte 2024 nach 30 Jahren auf) ist der Platz am Mikro ein gutes Pflaster. Bei den Basketballern ist der Familienvater längst einer der letzten Männer der ersten Stunde.

Dabei war es fast ein Zufallsprodukt, dass man ihn 2010 zur Stimme des ehrgeizigen Projektes machte. Der einstige Geschäftsführer Thomas Oehler hatte den Radioreporter gefragt, ob er denn nicht jemanden kenne, der den Job übernehmen könnte. Killians Antwort war ein überzeugtes „Ja, mich.“ Und, nun ja, nach kurzem Zögern ließ man ihn die Sache versuchen.

Und wahrscheinlich war es ja ganz gut, dass die Anfänge kleine waren. Die Zweitligasaison 2010/11 in der angejährten Olympia-Eishalle, die im Basketball-Modus gute 2000 Zuschauer fasste – es war für Killian wie für das ganze Projekt ein Sprungbrett. Lediglich der in die große Olympiahalle verlagerte Gipfel gegen Würzburg ließ erahnen, was sich da entwickelt. „Da waren wir alle wahnsinnig nervös“, erinnert er sich, „es war das einzige Mal, dass ich zur Vorbereitung Alkohol getrunken habe“. Ein Gläschen Sekt.

Aber Killian hatte ja auch stets Männer um sich, die ihm bei seiner Entwicklung halfen. Dirk Bauermann, Trainer-Guru der ersten Stunde, nahm auch seinen Hallensprecher regelmäßig an die Hand. Regelmäßig übernahm er das Mirophon auch selbst. Nachfolger Svetislav Pesic machte es auf herbere Art als Bauermann und schritt gleich direkt ein, wenn ihm etwas mißfiel. „Einmal sollte ich eine Fußballerin interviewen“, sagte Killian, „da kam er mitten ins Interview um mir zu sagen, dass er sich ein etwas anderes Programm vorstellt“. Auch Uli Hoeneß ist in bester Erinnerung, als er einst wild gestikulierend vor ihm stand, als in den Playoffs des FC Bayern gegen die Artland Dragons 2011/12 die Privatfehde von Bayerns Steffen Hamann mit Artlands David Holston aus den Fugen zu geraten schien: „Er hat mir gesagt: Wir müssen den schützen.“

Es ist auch eine Kunst, dass Killian derlei Dinge so abzufangen weiß, dass sie dem Publikum verborgen bleiben. Echte Pannen sind rar. So wie beim Euroleague-Spiel gegen Real Madrid den Anhang mit einem fröhlichen „Willkommen an den FC Barcelona“ begrüßte. „Kam bei den spanischen Besuchern nicht allzu gut an“, erinnert er sich.

Dass Killians Herz für die Bayern schlägt, versteht sich fast schon von selbst. „Du würdest die Emotionalität gar nicht rüberbringen, wenn du nicht Fan wärst“, sagt er. Man kann es ein bisschen an dem tiefroten Kellerraum sehen, in dem er seine Trikots und sonstigen Devotionalien aus den letzten 15 Jahren gesammelt hat. Wobei ihn das Bayern-Herz natürlich auch anfällig macht für Höhen und Tiefen. Das verlorene „Pokalfinale dahoam“ 2016, in dem alles so sehr für einen Münchner Coup und die damit verbundene Party gerichtet schien – das saß auch bei ihm tief. Immerhin: Die Partys folgten ja bald. 2018 und 2019 räumten die Bayern die Meisterschaft ab. Wobei es für ihn sogar schwer zu entscheiden ist, was nun schöner war. Die Titel oder einzelne Gefühlsexplosionen wie beim ersten Euroleague-Sieg über Real Madrid unter Svetislav Pesic in der Saison 2013/14.

Das Faszinierende ist: Der FC Bayern hat viel mit Thomas Killian experimentiert. Immer wieder hat man ihm eine Frau zur Seite gestellt. Weil man meinte, dass der Mann, der unten am Spielfeld so laut brüllt, das Geburtstagskind auf der Tribüne nur verschrecken würde. Killian selbst fand den Auftritt im Tandem gut. Doch wirklich vielversprechend lief es nur mit der Moderatorin Kathi Schöninger. Doch die bekam Nachwuchs und verabschiedete sich. Killian blieb. Und mit ihm Volltreffer wie „Music meets Basketball“ – die jährliche Vernetzung zwischen Sport und Show.

Und er trat mit den Bayern auf das schillerndste Parkett, den SAP-Garden. Das war auch für ihn eine große Herausforderung. Es ist ganz anders als der heimelige BMW-Park. 11 200 Menschen im zweistöckigen Prunkstück sind natürlich weit schwerer zu manövrieren als die 6500 im Rundbau am Westpark. Doch Killian hat auch das schnell in den Griff bekommen. Die viel gelobte Heimatmosphäre bei den Euroleague-Spielen – sie ist auch sein Produkt.
PATRICK REICHELT

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