Mit seiner Entscheidung, keine dritte Amtszeit anzustreben, hatte Thomas Bach überrascht. Seit gestern steht seine Nachfolgerin fest: Kirsty Coventry. Eine Frau an der Spitze des Internationalen Komitees (IOC) – ein starkes Zeichen, aber auch eine Wahl, die Bach maßgeblich auf den Weg gebracht haben dürfte. Der 71-Jährige war es, der die einstige Weltklasse-Schwimmerin ins IOC holte. Als Teil der Athletenkommission wirkte Coventry tendenziell in seinem Sinne. Bachs „Mädchen“ eben.
Nun wartet auf die 41-Jährige aus Simbabwe vor allem eine wichtige Aufgabe: die olympische Bewegung wieder erstrahlen zu lassen. Die Imagepolitur, die die Paris-Spiele bescherten, waren aus IOC-Sicht ein guter Anfang. Doch die mögliche russische Wiederzulassung, die schwerreichen Saudis, der irre US-Präsidenten Trump und die Baustellen rund um Cortina d‘Ampezzo (2026) sind große Herausforderungen. Davon hatte auch Bach genug in seiner zwölfjährigen Ära. Doch wie fällt seine Abschlussbewertung aus? Finanziell hat das IOC vorerst keine Sorgen, auch dank des lukrativen TV-Deals, den der gebürtige Würzburger im Schlussspurt noch mit der NBC abschloss. Die Austragungsstätten bis 2034 können sich mit Los Angeles, Brisbane und Salt Lake City ebenfalls sehen lassen. Also alles tutti?
Nicht so ganz. Pluralismus hat der ehemalige Mannschafts-Fecht-Olympiasieger im IOC nicht geduldet. Auch der Doping-Skandal von Sotschi (2014), die Anbiederung an China (2022) und die Covid-Spiele von Tokio (2021) liegen noch schwer im Magen. Insbesondere sein Umgang mit den Despoten wirkte befremdlich. In Sotschi prostete Bach Russlands Obermacker Putin freundlich zu, während dieser die Krim-Annektion vorbereitete und kurz nach der Schlussfeier sofort umsetzte. Chinas Präsident Ji Xinping lobte Bach laut der Gesellschaft für bedrohte Völker im chinesischen Staats-TV als „visionären Anführer, der immer weit nach vorne schaut“. Bei aller Diplomatie: Das muss nicht sein, wenn dieser „Visionär“ zeitgleich das uigurische Volk auslöscht.
Welche Note soll es also sein? Die Nachfrage bei der Künstlichen Intelligenz ChatGPT bringt Folgendes: „Insgesamt ist die Meinung über seine Amtszeit gemischt, und ob er als „gut“ oder „schlecht“ angesehen wird, hängt stark von den individuellen Prioritäten und Perspektiven ab.“
MATHIAS.MUELLER@OVB.NET