Auf dem Weg zur März-Meisterschaft

von Redaktion

Gerade noch ein Abstiegskandidat, treten die Löwen plötzlich wie ein Spitzenteam auf

Die gute Laune ist zurück: Dickson Abiama und Lukas Reich, beide am aktuellen Löwen-Hoch beteiligt. © Sampics

München – Im Mai wird der Deutsche Meister gekürt, am Ende des Jahres der inoffizielle Titel des Herbst- bzw. Wintermeisters vergeben. Doch was ist mit der März-Meisterschaft? Um diesen noch zu erfindenden Titel bewerben sich gerade die Löwen, die zumindest in der 3. Liga das März-Maß aller Dinge sind. Vier Spiele, zehn Punkte „das ist schon ein Brett“, findet 1860-Coach Patrick Glöckner. Gäbe es eine März-Tabelle, stünden die Zehn-Punkte-Löwen unangefochten an der Spitze: Nur Bielefeld, der Waldhof (je 9), Dresden (8) und Essen (7) können da annähernd mithalten.

Gerade noch ein Abstiegskandidat, treten die Löwen plötzlich wie ein Spitzenteam auf – weil sämtliche Negativthemen erfolgreich bearbeitet wurden. Ein Überblick.

Heimfluch: Bis Ende Februar waren die Löwen das schlechteste Heimteam der 3. Liga, gewannen nur zwei von zwölf Partien vor eigenem Publikum. Lag’s am Druck, an den defensiven Gegnern, an der lange Zeit nicht erkennbaren Spielidee? Giannikis-Nachfolger Glöckner hat den Heimkomplex nach und nach in den Griff gekriegt. Nach zwei Unentschieden zum Rückrundenstart (Stuttgart, Ingolstadt) gab es noch einen bösen Ausrutscher (0:3 gegen Bielefeld) – zuletzt aber zwei Heimsiege binnen sechs Tagen. Erst 1:0 gegen Dortmund II – gefolgt vom Wende-Derby gegen Unterhaching (2:1). Einer der Gründe für den Umschwung: Die Löwen kämpfen wieder, wirken nicht gelähmt, sondern beflügelt, wenn 15 000 Zuschauer auf Giesings Höhen Rabatz machen.

Derbykomplex: Haching kann die Punkte per S-Bahn-Kurier schicken – dieses ungeschriebene Derby-Gesetz verlor mit dem Ende der Ära Köllner/Mölders seine Gültigkeit. Viermal in Folge, Totopokal-Aus inklusive, gab es für 1860 gegen die Vorstädter nichts zu gewinnen. Dieser schwarzen Serie setzten die Löwen ein beeindruckendes Ende: früher Rückstand, Elfer verschossen, Wolfram per Platzverweis verloren (zwei Spiele Sperre) – trotzdem siegte 1860 und rückte die Verhältnisse zurecht (2:1). Gründe auch hier: Kampf, Leidenschaft und Siegeswille.

Resilienz: Wer gegen 1860 führt, hat so gut wie gewonnen – eine bittere Wahrheit, die mehr als zwei Jahre lang Gültigkeit hatte. Weder unter Maurizio Jacobacci (2023) noch unter Argirios Giannikis (2024) gelang es den Löwen, ein Spiel nach Rückstand noch zu gewinnen. 2025, unter Glöckner, klappte es bereits dreimal – in Köln (2:1), in Hannover (3:1) und gegen Haching. Zum Thema Löwen-Moral erklärte Derbyheld Tunay Deniz: „Der Trainer hat uns in der Pause bei der Ehre gepackt, klargemacht, dass wir die fehlenden Prozente rauskitzeln müssen – das hat am Ende Früchte getragen.“

Defensive: Ausgerechnet Ex-Löwe Valmir Sulejmani schenkte den Löwen Gegentor Nummer 50 ein – ein trauriges Jubiläum. Aber auch ein heilsames. Seit dem Pausenstand von 0:1 in Hannover am 1. März wurde die neue Betonabwehr der Löwen nur einmal geknackt – in 297 Minuten. Danhof, Verlaat, Dulic, Lucoqui – mit dieser Viererkette stehen die Löwen am stabilsten.

Auch nach der Länderspielpause in Osnabrück (Samstag, 29. März, 14 Uhr)? Die ligaweit herausragende Auswärtsstärke spricht dafür, dass der Löwen-Lauf andauert. Mit einem Sieg hätte 1860 nicht nur den Titel des März-Meisters sicher, sondern auch fast schon den Klassenerhalt.
ULI KELLNER

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