Medaillencoup: Raceroutinier Stefan Baumeister auf dem Weg zu WM-Silber. © dpa
St. Moritz/München – Kaiserwetter, blauer Himmel – doch nicht mal die Sonne strahlte am Donnerstag so hell wie die Miene von Andi Scheid, der als Sportdirektor von Snowboard Germany in der Früh noch Grantellaune hatte. Nicht Topfavoritin Ramona Hofmeister (28), sondern ihr männlicher Kollege Stefan Baumeister (31) holte schon am ersten Wettkampftag im Engadin die erste von zwei angestrebten WM-Medaillen. Silber nach einem engen Final-Duell gegen den 44 Jahre alten Italiener Roland Fischnaller. Ein Mutmacher – und Ansporn für dieses schwarz-rot-goldene Quintett.
Elias Huber: In Elias Huber, dem Sohn von Kletterlegende Thomas Huber („Huber-Buam“), gibt es neben Baumeister eine weitere männliche Racehoffnung. Nachdem im Weltcup in Rennen Nr. 89 der Knoten geplatzt ist, wird dem 25-Jährigen einiges zugetraut. Im PGS war er schon mal im Finale dabei, scheiterte aber in der ersten K.o.-Runde – klappt‘s am Samstag mit einem Überraschungs-Coup im PSL?
Annika Morgan: Früher ein Toptalent im Eiskunstlauf, jetzt eine Topfahrerin des deutschen Freestyle-Teams. Die Slopestyle-Generalprobe in Flachauwinkl weckt Medaillenhoffnungen: Platz zwei im wegen Schneefalls verkürzten Weltcup-Finale. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung in dieser Saison“, sagte die 23-Jährige aus Mittenwald, die traditionell relaxed an ihre Wettkämpfe rangeht. Motto: „Ein Doppel-Axel ist schwerer als ein Backside 1080.“ Form und Gelassenheit lassen hoffen, sowohl für die Wettkämpfe im Slopestyle als auch im Big Air, ihrer weniger geliebten Disziplin.
Noah Vicktor: Ausgerechnet bei den Laax Open, dem prestigeträchtigen Freestyle-Spektakel in Graubünden, schaffte Noah Vicktor sein erstes Weltcup-Podium: Platz drei im Slopestyle. Der Polizist aus Freilassing sagt: „Ich fühle mich so gut auf dem Brett wie noch nie. Eine Medaille bei der WM wäre der Wahnsinn.“ Zuzutrauen wäre es dem 23-Jährigen, denn er weiß ja jetzt, wie man in der Schweiz einige der weltbesten Rider hinter sich lässt.
Leon Ulbricht: Zweifacher Juniorenweltmeister (2022, 24) – und jetzt bereit für größere Aufgaben? Der 20-Jährige aus dem Oberallgäu will die deutsche Erfolgsfahne im Snowboardcross hochhalten. Platzhirsch Martin Nörl (31), zweimaliger Weltcup-Gesamtsieger, ist nach schwerer Sprunggelenksverletzung im Engadin dabei, aber wohl noch kein Medaillenkandidat.
Ramona Hofmeister: Quali-Aus im PGS, ihrer Paradedisziplin (Platz 20) – eine riesige Enttäuschung für die Polizeihauptmeisterin aus Bischofwiesen, die im Weltcupwinter mit sechs Siegen geglänzt hatte. Jetzt erst recht, dürfte sich die 28-Jährige sagen – und im PSL am Samstag auf ermutigende Erfahrungswerte setzen. Bereits 2019 (Bronze) und 2021 (Silber) hatte Hofmeister im nicht-olympischen Slalomwettbewerb geliefert, was im PGS nicht klappen wollte. Zu schlagen ist das tschechische Hybrid-Phänomen Ester Ledecká (29), die sich zum Abschluss ihres Ski-Winters mit einer weiteren Snowboard-Goldmedaille dekorierte.
ULI KELLNER