Bullen auf Playoff-Temperatur

von Redaktion

Nach dem 5:2 am Mittwoch fährt der EHC mit breiter Brust nach Mannheim

Ist was? Eisenschmid mit Adler Esposito. © IMAGO

München – Mitte des ersten Drittels, Taro Hirose hatte den EHC Red Bull München gerade auf Kurs gebracht, war Markus Eisenschmid schon längst wieder auf Playoff-Temperatur. Der 30-Jährige geriet handfest mit Mannheims Lukas Kälble aneinander. Und natürlich zog er nicht zurück. Das hätte auch nicht gepasst, Eisenschmid ist so etwas wie der emotionale Anführer der Münchner in diesen ersten Viertelfinaltagen. Und das wird sich vermutlich auch nicht ändern, wenn die Serie am Freitag (19.30 Uhr) in Mannheim weitergeht.

„In den Playoffs geht es nur so“, sagte Eisenschmid, der nach zwei Viertelfinals auch schon zwei Treffer auf dem Konto hat. Beim 5:2 (1:1, 2:0, 2:1) am Mittwoch steuerte er in Überzahl das vierte Tor bei. Und schloss damit ziemlich wesentlich die Lücke, die die Sperre von Ausnahme-Torjäger Chris Desousa gerissen hatte. Fand auch Co-Trainer Pierre Allard. „Markus bringt enorme Energie“, sagte er, „auch wenn wir ein Team sind, das als Gruppe funktioniert.“

Und das sind schon ziemlich wesentliche Erklärungen dafür, warum der EHC zwar „nur“ mit einem 1:1, aber dennoch als Punktsieger aus den ersten beiden Auftritten hervorgeht. Die Münchner funktionieren bislang besser als Einheit. Man kann auch personelle Rückschläge wegstecken. Desousas Sperre, genauso wie den plötzlichen Ausfall von Schlussmann Mathias Niederberger. Spezifizieren wollte der Club die Blessur des Nationalkeepers nicht, doch es ist nicht schwer zu erraten, dass es Niederberger an Adduktoren oder Leiste zwickte, als er nach 15 Minuten vom Eis schlitterte.

Womit es sich plötzlich als ziemlich weise Entscheidung entpuppt, dass der Verein kürzlich noch Schlussmann Evan Fitzpatrick nach München lotste. Dessen Verpflichtung war zunächst ja auf einige Verwunderung gestoßen. Doch der Kanadier musste direkt ran und zeigte sofort seine Klasse. Und er scheint sich zu einer Art Mannheim-Spezialist zu entwickeln. In fünf Einsätzen bekam er es bereits zweimal mit den Adlern zu tun. Heraus sprangen zwei Siege bei nur zwei Gegentoren (2:0 und 5:2).

Ein starker Schlussmann, aggressives Spiel verbunden mit Effizienz vor dem Tor – es ist das Gemisch, mit dem die Münchner schon heute oder in Spiel fünf am Dienstag auch den Auswärtssieg holen wollen, den man zwingend braucht, um die Serie erfolgreich zu gestalten. Mit Desousa und mit Markus Eisenschmid im besten Playoff-Modus. Der Mann, der in seiner zweiten Saison in München immer mehr beweist, warum ihn viele in Sachen Talent als eine der Spitzenkräfte im Land sieht, wäre notfalls wahrscheinlich auch Mittwochnacht schon zum nächsten Einsatz gegen seinen Ex-Club aufs Eis zurückgekehrt, mit dem er 2019 Meister wurde. „Ich hatte eine wunderschöne Zeit dort“, betonte er, „aber jetzt bin ich hier und will gewinnen.“

Viel eindrucksvoller hätte er das kaum beweisen können.
PATRICK REICHELT

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