Saskia Matheis (l.) setzte sich mit Werder gegen Favorit Bayer Leverkusen durch.
Im Viertelfinale flankte HSV-Spielerin Vildan Kardesler noch vor „nur“ knapp 17 000 Zuschauer. Für das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den Lokal-Rivalen Werder Bremen ist das Volksparkstadion ausverkauft. © IMAGO (2)
Hamburg – Ausverkaufte Arena, Nordderby, Rekordspiel: Das Pokal-Halbfinale der Superlative wirft seine Schatten voraus und sprengt die Vorstellungskraft der Protagonistinnen. 57 000 Fans auf den Rängen des ausverkauften Volksparkstadions, in der Frühlingsluft knisternde Pokal-Spannung – und auf dem Rasen: ein bahnbrechendes Rekordspiel. Die Gedanken an das historische Halbfinalduell zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen am Sonntag (15.30 Uhr, Sky/sportstudio.de) jagen den Beteiligten schon vor dem Anpfiff die Gänsehaut über den Rücken. „Maximal groß“, versichert die Hamburger Frauenfußball-Koordinatorin Saskia Breuer, sei die Vorfreude.
Die Vorfreude auf das größte Spiel in der Geschichte des deutschen Vereinsfußballs – zumindest, was die Anzahl der Zuschauerinnen und Zuschauer bei einer Frauenpartie angeht. Sich auszumalen, was da am Wochenende abgehen wird, sei „wirklich schwierig“, gesteht Breuer und lässt ihren Blick durch den sonnigen und (noch) leeren Hamburger Fußball-Tempel wandern: „Man kennt es ja nur von den Männern, und da schaue ich auch immer staunend auf die Fans – und dass Sonntag alle für uns kommen, um die Frauen zu supporten, ist schon toll.“
Dass ein derartiger Rahmen die Vorstellungskraft der HSV-Funktionärin sprengt, ist bei genauerer Betrachtung kein Wunder: Normalerweise nämlich organisiert Breuer Spiele vor rund 400 Fans, das jedenfalls ist der Zuschauerschnitt des HSV im Ligaalltag. Am Sonntag nun wird die 142-fache Anzahl an Fans erwartet und der Frauenfußball mal wieder in den Fokus gerückt. „Diese Highlightspiele sind genau das, worauf wir hinarbeiten und was sich einfach auch wirklich jede verdient hat“, sagt Breuer.
Der Weltrekord stammt aus dem Champions-League-Spiel zwischen dem FC Barcelona und dem VfL Wolfsburg, die vor drei Jahren 91 648 Zuschauer ins Camp Nou lockten, im Berliner Olympiastadion sahen 2011 knapp 74 000 Fans das WM-Eröffnungsspiel – und nun stößt also der HSV in ähnliche Gefilde vor. Als Zweitligist! Denn das ist der Traditionsverein, obwohl man sich in Hamburg berechtigte Aufstiegshoffnungen macht und das Duell mit Werder in Zukunft häufiger erleben will, noch immer. Die Hamburgerinnen gehen folglich auch als Außenseiter in die Partie mit dem gestandenen Bundesligisten aus Bremen.
Fragt man Pauline Machtens, ist das aber kein Nachteil: „Wir spielen immer gut, wenn wir die Favoritenrolle abgeben können. Wir haben nichts zu verlieren und können eigentlich nur gewinnen“, sagt die Führungsspielerin des HSV vor dem Spiel, auf das sie sich „unglaublich dolle“ freut: „Wir haben Spaß daran, den vermeintlich größeren Gegner zu ärgern – und werden das auch am Sonntag wieder machen.“
Die Bremerinnen setzen derweil auf ihren Erfahrungsvorteil. Und auf ein Hamburger Deern im Sturm. Als Kind pilgerte Larissa Mühlhaus regelmäßig mit ihrer Familie ins ausverkaufte Volksparkstadion – nun kehrt sie dorthin als HSV-Gegnerin zurück. „Das wird etwas ganz Besonderes, ein unglaubliches Spiel“, sagt die 22-Jährige, die vergangenen Sommer von den Hamburgerinnen an die Weser gewechselt ist und sich durch das Rekordspiel einen weiteren Boost für ihren Sport erwartet: „Ich hoffe, dass dadurch der Frauenfußball weiter wächst.“
SID