Jordan verhalf auch Ralf Schumacher in die F1. © Marsh/dpa
Als Benetton-Teamchef ließ Eddie Jordan den jungen Michael Schumacher ans Steuer. Er sollte der Mentor der Rekordweltmeisters werden © Imago
München – Gibt es ein Leben nach dem Tod? Weiß ich nicht. Aber mein Freund Eddie Jordan hat mir mit jeder Pore seines Wesens immer vor Augen geführt: Es gibt auf jeden Fall ein Leben davor. Jordan, der in der Nacht zum Donnerstag mit 76 Jahren an Krebs starb, war hyperaktiv, nahm nie ein Blatt vor den Mund und spielte gerne den Clown. Aber er war einer, der am Ende über die anderen lachte. Der sich nie davor scheute, sich mit den Mächtigen der Formel 1 anzulegen.
Der gelernte Bankkaufmann und Vorstandsmitglied der Citybank Irlands war aber vor allem eins: Ein Rock`n`Roller, der die Musik und die Botschaft dahinter noch mehr liebte als die Formel 1. Seine Buddies waren deshalb auch nicht Weggefährten aus der Formel 1, sondern Ronnie Wood von den Stones, Rod Stewart und seine irischen Landsleute von U2. Als ich von seinem Ableben erfuhr, war ich unendlich traurig. Auch weil meine Zweifel wachsen, dass es den Tod vielleicht doch geben könnte. Denn Eddie war mich für mich unverwüstlich, einer, der auch mit einem Messer im Rücken weiter Party macht.
Sein Werk in der Formel 1 bleibt ewig. Michael Schumacher gab er 1991 in Spa die Chance, in der Formel 1 zu debütieren. Ralf Schumacher fuhr für ihn, Heinz-Harald Frentzen, Timo Glock und Nick Heidfeld. Er war da pragmatisch, weil er an die gründliche Arbeitsweise glaubte, die er bei deutschen Fahrern sah.
Geschäftlich war er knallhart. „Es war mir immer eine Freude, dass der Clown die selbsternannten Big Dealmaker über den Tisch ziehen konnte. Nicht, weil es mir alles bedeutet, sondern weil sie es verdient haben“, erzählte er mir mal. Als aber 2005 der Missmut über die immer mehr verschwindenden Charaktere und Werte in der Formel 1 immer größer wurde, verkaufte er sein Team, mit dem er in 15 Jahren vier Grand Prix gewann. Er zog mit Ehefrau Marie und den vier Kindern nach Südafrika, gründete eine Band, spielte die Drums, blieb der Formel 1 aber als wachsamer Prophet erhalten. Er sagte zum Beispiel Schumachers Mercedes-Comeback voraus und den Wechsel von Lewis Hamilton nach Stuttgart.
Wir hatten in den letzten Jahren regelmäßig Kontakt. Er schickte mir Videos von Auftritten seiner Band, das letzte Mal telefonierten vor drei Wochen. Das war das einzige Mal, dass er mich angelogen hatte. Eddies Stimme klang brüchig. Er schob das auf die Chemo, machte mir aber Mut. „Ich schaffe das, alles wird gut. Sollte es mich trotzdem erwischen, bringe ich den Engeln erst mal bei, dass man auf der Harfe auch Rock`n`Roll-Akkorde spielen kann. I love you, my friend.“
RALF BACH