KOMMENTAR

FCB und Wolfsburg: Der letzte Weckruf vor der EM

von Redaktion

Es waren entwaffnend ehrliche Worte, die Janina Minge im Angesicht der Lehrstunde ausrichtete. Sie habe sich „teilweise wie ein Hühnchen gefühlt“, gab die Mittelfeldspielerin vom VfL Wolfsburg zu, nachdem der FC Barcelona mit dem deutschen Pokalsieger und Vizemeister im Champions-League-Viertelfinale Katz und Maus gespielt hatte.

Das Ausmaß der Chancenlosigkeit erschreckte. Zumal die 1:4-Heimpleite in einem größeren Zusammenhang steht: Auch der FC Bayern bekam gegen Rekordsieger Olympique Lyon vorgeführt, was zum absoluten Spitzenniveau fehlt. Endstand 0:2. Dabei haben sie in München alles getan, um ihre besten deutschen Kräfte wie Klara Bühl zu halten. Doch ein Faktor im Viertelfinale war die zuvor aus Barcelona umworbene Stürmerin ebenso wenig wie Lea Schüller, Giulia Gwinn oder Sydney Lohmann.

Es muss ein letzter Weckruf vor der EM in der Schweiz sein, wenn beide deutsche Aushängeschilder mit dem Stamm der Nationalelf chancenlos sind. Zumal Deutschland im Viertelfinale auf Frankreich oder England treffen könnte. Stand jetzt wäre der achtfache Europameister in solch einem Duell Außenseiter. DFB-Sportdirektorin Nia Künzer hat hoffentlich genau hingeguckt, was die Spielerinnen aus Barcelona und Lyon den deutschen Akteurinnen voraus haben. Der Unterschied wird gefühlt größer.

Es ist mit einem Wachstumsplan für die Frauen-Bundesliga längst nicht getan, um die Defizite in Sachen Ballbehandlung. Handlungsschnelligkeit, Spielverständnis und Zweikampfgeschick aufzuholen. Woanders wird offenbar nicht nur besser ausgebildet, sondern auch eine bessere Performance aufgebaut.

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