„Franzi beschenkt sich selbst“

von Redaktion

Anspannung vor dem Weltcup-Finale: Frauen-Trainer Mehringer im Interview

Wettschulden: Preuß rasiert Mehringer die Hareab . © DSV

Kristian Mehringer trainert seit 2018 das Frauen-Team im Weltcup. © IMAGO/Zeitler

Die große Kristallkugel: Das Objekt der Begierde. © IBU

Enger Zweikampf: Noch führt Franziska Preuß (l.) im Gesamtweltcup knapp vor der Französin Lou Jeanmonnot (r.). © IMAGO/Klansek

Oslo – Viel spannender geht es kaum: Drei Rennen trennen Franziska Preuß noch von der großen Kristallkugel, doch Lou Jeanmonnot liegt vor dem Weltcup-Finale in Oslo nur hauchdünn hinter ihr. Zum ersten Showdown kommt es bereits an diesem Freitag im Sprint um 16.20 Uhr (ARD und Eurosport), es folgen am Samstag die Verfolgung (15.50 Uhr) und am Sonntag der vielleicht alles entscheidende Massenstart (13.15 Uhr). Im Vorfeld haben wir mit Preuß‘ Trainer Kristian Mehringer, der von der 31-Jährigen nach ihrem Weltmeister-Titel in der Verfolgung den Kopf rasiert bekam, über die Saison ihres Lebens unterhalten.

Herr Mehringer, können Sie mittlerweile wieder ohne Mütze vor die Tür gehen?

(lacht) Ja, die Haare sind wieder gewachsen, sind aber noch nicht so lang.

Hätten Sie vor dem ersten Weltcup damit gerechnet, dass Franziska Preuß im Gelben Trikot zum Saisonfinale anreist?

Ich habe es gehofft. Wenn man sich den Verlauf der letzten Saison ansieht, wo sie auch sehr gut gestartet ist und dann durch ihren gesundheitlichen Ausfall zurückgefallen ist, hat man schon damit rechnen können, dass sie unter den Top-3 mitlaufen kann. Dass es bis jetzt so gut funktioniert, freut uns natürlich enorm. Vor allem gesundheitlich, aber auch von der Leistung her.

Was ist ihre größte Stärke aktuell?

Ihre Konstanz. Das ist enorm wichtig, um sich da oben etablieren zu können. Sie ist läuferisch auf einem Top-Niveau, aber arbeitet auch am Schießstand gut und konstant. Ich glaube, die Schießleistung ist oft der wichtigere Parameter in der absoluten Weltspitze. Und das hat sie schon länger gezeigt, dass sie eine sehr komplette Biathletin ist.

Es scheint manchmal so, als würden vermeintliche Kleinigkeiten wie der Stadionsprecher in Ruhpolding oder eine Info von den Betreuern bei der WM sie aus dem Konzept bringen.

Man ist im Wettkampf von der Belastung her extrem an der Grenze. Da nimmt man Informationen ganz anders auf als in einem entspannteren Zustand. Wenn so etwas vorkommt, dann muss ich das abschütteln, dann brauche ich einen anderen Fokuspunkt, damit man sich wieder auf die wesentlichen Sachen konzentriert. Aber es gelingt halt nicht immer. Das ist für Außenstehende schwer geifbar, man hat dann oft Gedanken, die im Wettkampf nicht hilfreich sind. Das ist etwas, woran die Athletin arbeiten muss

Blicken wir auf das vielversprechende restliche Team. Wie schätzen Sie die Entwicklung von Selina Grotian und Julia Tannheimer ein?

Das sind außergewöhnliche Talente, die schon in jungen Jahren starke Leistungen bringen. Aber darauf dürfen sie sich nicht ausruhen. Es gibt bei beiden noch Baustellen – und das ist etwas Gutes. Wir haben noch Hebel zum Ansetzen, damit sie noch besser werden, um auch wirklich in der absoluten Weltspitze anzukommen.

Und was wäre das?

Bei Selina gibt es bei der Lauftechnik noch Feinheiten zu verbessern. Und auf alle Fälle auch am Schießstand, wo wir auch noch Möglichkeiten im technischen Bereich haben, damit sie da einen noch stabileren Anschlag entwickelt. Das Gleiche gilt eigentlich auch für die Julia.

Mit Janina Hettich-Walz und Vanessa Voigt kommen für die nächste Saison zwei weitere starke Biathletinnen zurück. Gegen dieses Team könnten sogar die Französinnen ins Schwitzen kommen.

Klar, das ist unser Ziel. Wichtig ist aber, dass wir uns auf uns konzentrieren. Natürlich wissen wir ungefähr, was die Französinnen machen und wie stark die Mannschaft ist. Vanessa hatte leider gesundheitlich mehr Probleme als gedacht, aber sie kommt – rein von der Erfahrung her – gestärkter zurück. Und sie hat natürlich das große Ziel Olympia. Janina kommt jetzt aus einer Baby-Pause, das ist für uns auch eine neue Situation (lacht). Wir sind im engen Austausch mit Janina und versuchen, für sie und das Baby einen guten Plan aufzustellen.

Zurück zum Finale. Haben Sie sich wieder eine besondere Motivationsspritze für Franzi Preuß einfallen lassen?

Aktuell noch nicht, könnte aber noch kommen. Wichtig ist es jetzt gut reinzustarten, zusätzliche Motivation braucht die Franzi sowieso nicht. Ich glaube, sie macht sich ihr Geschenk dann selbst. Aber vielleicht lassen wir uns noch etwas einfallen, was wir uns dann antun könnten (lacht).


INTERVIEW:

ALEXANDER VORMSTEIN

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