Kurz vor Ende der ersten Hälfte gab es sie wieder: eine typische Jamal-Musiala-Szene. Der Münchner trat an, die Beine arbeiteten in eine andere Richtung, als die Bewegungen des Oberkörpers es vermuten ließen, und so wand er sich um den ersten italienischen Abwehrspieler herum, den zweiten – bis der dritte das Schlängeln des deutschen Jungstars mit einem resoluten Tritt auf den Fuß beendete. Jamal Musiala ist ein Spieler, der die Intervention des Gegners anzieht. Die Statistiken weisen ihn als den Spieler aus, der in Europa am drittmeisten gefoult wird. Julian Nagelsmann bereitet das Sorgen. Grundsätzlich findet er: „Ein Foul ist ein Kompliment.“ Der Gegner räumt damit die Überlegenheit des anderen ein, er kann ihn nur stoppen, wenn er sich außerhalb der Regularien bewegt. Der Bundestrainer erkennt jedoch auch: „Oft sind diese Fouls gar keine Absicht.“ Im Grunde löse Jamal Musiala sie selbst aus „mit den Haken, die er schlägt“. Sie sind nicht vorhersehbar.
Die Qualität, die Musiala im Dribbling verkörpert, hat dem deutschen Fußball lange gefehlt und sollen weiterhin der Kern seines Spiel sein. Nagelsmann: „Er soll der Straßenkicker sein, der er immer schon ist.“ Allerdings findet er, dass Musiala dieses Charakteristikum in den vergangenen Wochen überbetont habe: „Mit dem neuen Vertrag verspürt er womöglich höhere Erwartungen.“ Und wolle die große Show liefern. In diesen Tagen hat Nagelsmann seinen wertvollen Spieler nun zur Seite genommen und ist mit ihm einige Szenen auf Video durchgegangen. Zielsetzung ist es, die Dribblings so zu gestalten, „dass Jamal weniger Risiko nimmt“. Das will der Bundestrainer „im Hinblick auf Turniere. Ich hoffe nämlich, dass er gesund bleibt“. Denn die WM-Aussichten hängen vor allem an der Kreativabteilung mit Musiala und Florian Wirtz, der aktuell fehlt: Sein Sprunggelenk wurde Opfer eines Fouls.
GÜK