„Überragende Leistung unserer Fans“

von Redaktion

DFB-Elf freut sich über ein lange vermisstes Auswärtsspiel-Erlebnis

Dank an die deutschen Fans: Kimmich, Kleindienst und Goretzka (v. li.) © IMAGO/Buerke

Mailand – Joshua Kimmich ist berühmt für die Beurteilung der eigenen Leistung und die der anderen – verbal und mimisch. Nach dem 2:1-Sieg gegen Italien unterzog er den deutschen Teil des Publikums einer Bewertung. „Eine überragende Leistung unserer Fans. Sie waren extrem lautstark, sehr auffällig. Das ist nicht selbstverständlich.“

Der Deutsche Fußball-Bund hatte bereits am Tag vor dem Spiel wissen lassen, dass 3500 deutsche Fans im Giuseppe-Meazza-Stadion sein würden. Eine Rekordzahl für die vergangenen zehn Jahre bei einem Auswärtsspiel. 2010 und 2014, auf dem Höhepunkt des Nationalmannschafts-Schaffens, hatten zehntausende ihren Urlaub in Südafrika und Brasilien verbracht und das Team unterstützt. Mit den sportlichen Enttäuschungen, die es danach gab, ließ der Zuspruch nach – und der einer bestimmten Art, wenn die Sieg-Heil-Schreihälse aufmarschierten, war eh unerwünscht.

Nun fühlt sich ein Auswärts-Länderspiel wieder fröhlich und unschuldig an. In Mailand waren Menschen zu sehen, die nicht nur zum Spiel das Trikot anzogen, sondern in den Hotels so gekleidet herumliefen als gehörten sie zur offiziellen DFB-Delegation. Die Identifikation ist wieder gestiegen.

Zwar sind die Spieler weiter abgeschottet, dennoch wirkt die Mannschaft zugänglicher. Vielleicht ist die emotionale Teilhabe der Fans auch niederschwelliger, seit die Nationalmannschaft nicht nur zwei, drei Topclubs, sondern ein Sammelsurium an Mittelklassevereinen repräsentiert.

Die EM in Deutschland hat die Sehnsucht nach Sommererlebnissen zurückgebracht, und nach einigen traurigen Trikot-Editionen war das pinke Jersey endlich mal wieder eines, das nicht nur Akzeptanz fand, sondern Begeisterung hervorrief. Auch die Reaktionen auf den nun angesagten Retro-Style in Weiß und Schwarz sind positiv.

Im Giuseppe-Meazza-Stadion belegten die Deutschen komplett einen der Oberränge (dritte Etage) an den Stirnseiten. Es werden mehr Leute da gewesen sein als die annoncierten 3500. Vor allem: Man nahm sie unten auf dem Feld wahr, wie die Spieler versicherten. In Anbetracht der Höhen-Differenz war das erstaunlich.

Es entstand ein atmosphärisches Wechselspiel zwischen Team und Fans. „Es war relativ ruhig“, analysierte Joshua Kimmich die italienische Seite, Tim Kleindienst fand: „Wir haben es geschafft, dass das Stadion nicht kam“. Man vernahm die Deutschland-Anfeuerungen von weit oben. Kleindiensts Gesamtbilanz: „Ein Super-Auswärtsspiel.“
GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11