Bitte brav hinten anstellen

von Redaktion

U21-Trainer Antonio di Salvo muss seinen EM-Kader zusammenpuzzeln

Hat einen schwierigen Job bei den deutschen Fußballjunioren: Ex-Profi Antonio Di Salvo. © Bernd Thissen/dpa

Frankfurt – Bundestrainer haben es gerne, wenn sie weitsichtig planen können. Ihr Job ist es, nicht von Woche zu Woche zu denken, sondern in großen Linien. Dieses strategische Denken wird dem Nationalcoach des deutschen U21-Nationalteams, das am Montagabend in Darmstadt (20.30 Uhr/Sat1) zum Testspiel gegen Spanien antritt, gerade ganz, ganz schwer gemacht. Der gute Mann heißt Antonio di Salvo. Di Salvo möchte mit seinen jungen Leuten die U21-Europameisterschaft gewinnen. Die findet vom 11. bis 28. Juni in der Slowakei statt.

Das Dumme für Di Salvo ist nur: Parallel zum alle zwei Jahre stattfindenden Uefa-Nachwuchsturnier hat die Fifa in den Sommer 2025 die neue Klub-Weltmeisterschaft (15. Juni bis 13. Juli) gepackt. Bayern und Dortmund sind angehalten, mit ihren besten Aufgeboten in die USA zu reisen. Schließlich lassen sich dort binnen vier Wochen im Erfolgsfall bis zu hundert Millionen Euro verdienen. Die Bayern und der BVB wären schön blöd, das Unterfangen mit einem Rumpfkader anzugehen.

Das heißt für U21-Trainer di Salvo: Mutmaßlich werden ihm in der schwierigen EM-Vorrundengruppe – wiederum gegen England und Tschechien, gegen die Deutschland vor zwei Jahren früh scheiterte – eine Menge Spieler fehlen, die ohne die Klub-WM gut hätten dabei sein können: Maxi Beier und Karim Adeyemi (Borussia Dortmund), Tom Bischof (Hoffenheim, bald Bayern), Leandro Morgalla (vom für die Klub-WM qualifizierten österreichischen Vertreter RB Salzburg), Jonas Urbig (Bayern), Frans Krätzig und Paul Wanner (von Bayern an Heidenheim ausgeliehen) sowie der aus Dortmund derzeit an Nizza verliehene Youssoufa Moukoko.

Unklar bei vielen, wie deren Status im Sommer aussehen wird. „Es ist eine neue Situation, die total schwierig ist, das muss man wirklich sagen“, räumt Di Salvo ein. Die Klubs könnten halt „nicht ins Fernrohr gucken, was in acht bis zehn Wochen ist“. Manche Spieler säßen nun „zwischen allen Stühlen“, ein „Dilemma“. Wobei sich der 45-Jährige nichts vormacht: „Die Klub-WM ist natürlich interessant für die Spieler.“ Zum Beispiel für den Noch-Hoffenheimer Bischof. Der 19-Jährige, weiß der U21-Trainer, wolle die Chance nutzen, „sich während der Klub-WM bei den Bayern zu integrieren“.

Di Salvo hat deshalb in dieser Woche auf die Nominierung von Jungprofis weitgehend verzichtet, die ihm im Sommer ohnehin fehlen werden. „Wir sind im ständigen Austausch mit den Vereinen und den Spielern“, sagt er und fügt an: „Mal gucken, was bis zum Sommer dann noch passieren wird.“ Selbst Maxi Beier hat der U21-Trainer noch nicht ganz abgeschrieben. „Ich hätte ihn natürlich gern dabei, er bräuchte keine Integrationszeit, weil er sich bei uns auskennt.“ Der BVB hat jedoch bereits durchblicken lassen, dass daraus nichts wird.

Für die U21-EM plant er nun umso mehr mit Spielern der erweiterten Bundesligaspitze, allen voran von Eintracht Frankfurt mit Ansgar Knauff, Nnamdi Collins und Nathaniel Brown, Mainz 05 mit Paul Nebel und Nelson Weiper, dem SC Freiburg mit Noah Atubolu und Max Rosenfelder sowie dem VfB Stuttgart mit Nick Woltemade. Letzterer könnte bis zum Sommer freilich noch ein Kandidat für Julian Nagelsmanns A-Nationalmannschaft werden, die Anfang Juni ebenfalls gefordert ist.

Wie immer das Puzzlespiel auch ausgeht. Di Salvo mag die Klub-WM noch so sehr ein Dorn im Auge sein – er räumt aber auch ein: Das Fifa-Turnier in den USA dürfte, wenn es denn mal angefangen hat und kostenlos bei Dazn gestreamt werden kann, auch in Deutschland für „eine gewisse Begeisterung“ sorgen.
VON JAN CHRISTIAN MÜLLER

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