Eiseis Flug in die Freiheit

von Redaktion

Planica als Karrierefinale

Am höchsten Punkt: 2019 in Seefeld und Innsbruck war Eisenbichler mit drei Titel das Gesicht der WM. © IMAGO

Planica – Die gigantische Flugschanze im slowenischen Planica ist für Markus Eisenbichler das Tor zur Freiheit. Noch ein Wochenende auf Skiern durch die Lüfte fliegen, dann beginnt für den sechsmaligen Skisprung-Weltmeister ein neues Leben. Langlauf, Skitouren und Bergwanderungen: Der charismatische Naturmensch freut sich auf eine Zukunft voller Abenteuer. Auf das Dasein als Profi kann er nach Jahren der Entbehrungen gut verzichten.

„Es war eine Befreiung, nachdem ich den Rücktritt verkündet hatte“, sagte Eisenbichler dem Kicker. Der vom Anzug-Skandal schwer geplagte Skisprung-Sport hingegen verliert eine Persönlichkeit, die die Szene in der jüngeren Vergangenheit geprägt und bereichert hat.

Der 33-Jährige hat extrem viele Höhen und Tiefen hinter sich. WM-Gold im Einzel am Bergisel in Innsbruck und insgesamt sechs Titel bei Weltmeisterschaften machen ihn zu einem der erfolgreichsten Skispringer der deutschen Geschichte. Sportdirektor Horst Hüttel sieht Eisenbichler als „das Gesicht der WM 2019“, die in Tirol unweit der deutschen Grenze stattfand. Doch auch Enttäuschungen waren, vor allem im Herbst seiner Karriere nicht weit.

Der ehemalige Vierschanzentournee-Sieger Sven Hannawald nannte Eisenbichler „einen schwierigen Charakter“ und legte ihm schon 2023 ein baldiges Karriereende nahe. Auch Chefcoach Stefan Horngacher schonte „Eisei“ nicht. Für das Duo Horngacher und Eisenbichler endet die gemeinsame Reise am Wochenende in Planica. Als der Deutsche Skiverband (DSV) den Rücktritt seines Top-Sportlers bekannt gab, wurde Horngacher nicht einmal zitiert. Wo Eisenbichler nach Freiheit rief, witterte Horngacher ein Verletzungsrisiko.

Als der deutsche Rekordhalter in Vikersund die 220-Meter-Marke überflog, brüllte er voller Freude „I love this“ (Ich liebe das) in die Kamera. Eisenbichler berichtete aber auch von Ängsten und starkem Zittern, wenn er oben auf dem Balken sitze. „Es ist das Richtige, dass ich aufhöre. Das packe ich nicht mehr lang.“

Und jetzt? Einen Job im Skisprung-Sport kann er sich gut vorstellen, zudem seine Hobbys genießen. Und dann? „Mal schauen, was sich tut. Familie, Partnerschaft, irgendwann Kinder? Erst mal werde ich ein Haus bauen.“
DPA

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