Eine Frage der Kräfte

von Redaktion

Bayerns Basketballer im Endspurt in Europa – nun wartet ein Trip nach Würzburg

Der Unermüdliche: Carsen Edwards. © IMAGO

München – Carsen Edwards brauchte lange, bis er nach getaner Arbeit aus der Kabine in den zunehmend verwaisten Innenraum des SAP Gardens zurückkam. Klar, die Physiotherapeuten des FC Bayern Basketball hatten den US-Amerikaner gründlich unter die Lupe genommen. Nur kein Risiko eingehen. Schon gar nicht in diesen Tagen, in denen Edwards‘ Spiellaune ziemlich entscheidend sein könnte für die Frage, wie es mit den Münchnern in Europa weitergeht.

Am Donnerstag gegen Partizan Belgrad hatte der unermüdliche Wirbelwind die, zwei Tage nach dem Barcelona-Trip, lange matt wirkenden Bayern mit letztlich 25 Punkten praktisch alleine über Wasser gehalten, bis seine Mannschaft auf dem Weg ins letzte Viertel zu einer bemerkenswerten Schlussoffensive ansetzte. Am Ende stand eine weitere Demonstration, was herauskommen kann, wenn Talent und Fitness auf ein Grundvertrauen von Trainer und Mitspielern trifft. Mit einem Punkteschnitt von 19,9 Zählern ist Edwards sogar Euroleague-Topscorer Kendrick Nunn (Panathinaikos/20,2) hart auf den Fersen.

Was aber nicht mehr als ein Nebeneffekt ist, neben dem 89:74-Erfolg, dem 19. in dieser Saison, der die Münchner dem großen Ziel Viertelfinale ein gehöriges Stück näher brachte. Zwei Schritte fehlen noch. In der kommenden Woche das Auswärtsspiel bei Maccabi Tel Aviv (3.4.) in dessen Ausweich-Heimat Belgrad und eine Woche später das Hauptrundenfinale gegen das bereits qualifizierte Fenerbahce Istanbul (10.4.), doch so weit will Edwards noch gar nicht denken: „Wir sind gut damit gefahren, nur an den nächsten Schritt zu denken.“

Selbst an bewährte Basketball-Ärgernisse will man da nicht viel Kraft verschwenden. Denn der Bundesliga-Spielplan sieht für die Bayern bereits am Samstag (20 Uhr) einen Trip nach Würzburg vor. Es gab zuletzt Bestrebungen, die Partie auf den Sonntag zu vertagen. So wie ja auch Alba Berlin nach dem Euroleague-Einsatz gegen Vrtus Bologna erst am Montag in Heidelberg ran muss. Dem Vernehmen nach scheiterte die Sache aber nicht an den Gastgebern, sondern an der Liga, der das Vorhaben zu kurzfristig gekommen sein soll. „In anderen Ligen kommt man den Clubs in solchen Momenten entgegen“, befand Trainer Gordon Herbert verwundert.

Es wird eine besondere Herausforderung sein, die von zwei intensiven Euroleague-Einsätzen geplätteten Profis halbwegs kräfteschonend, vor allem aber ohne Verletzung durch die nationale Extraschicht zu bringen. Center Devin Booker wird dann noch keine Entlastung bringen können. Doch Stand jetzt soll der US-Amerikaner von der kommenden Woche an wieder mit der Mannschaft trainieren. Vielleicht reicht es schon gegen Fenerbahce, spätestens in möglichen Playoffs wäre Booker aber wohl wieder an Bord.

Solange muss es dann eben vor allem Carsen Edwards richten. Das Kraftpaket aus Texas ließ nur zwei der bislang 58 Einsätze der Bayern aus. Schuftete regelmäßig mehr als 30 Minuten. Und das ohne nennenswerten Formknick. Er selbst nimmt es mit einem Lächeln: „Ich liebe es eben, Basketball zu spielen.“ Wobei die Sache sogar bei ihm Grenzen hat. „Wenn ich hier aus der Arena herausgehe“, sagte Edwards, „dann denke ich nicht mehr an Basketball.“ Der kommt früh genug zurück.
RP

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