„Übung macht den Meister“

von Redaktion

Der formstarke Leitlöwe Deniz über schöne Tore und seine neue Position

„Ich kann der Mannschaft Input geben“: Deniz beim Interview mit Sportredakteur Uli Kellner. © TSV 1860

Technisch anspruchsvoll: Kaum einer in der 3. Liga schießt so schöne Tore wie 1860-Sechser Tunay Deniz. © Sampics / SC. Pahnke

München – Mit ihm in der Startelf haben die Löwen 2025 noch nicht verloren. Tunay Deniz, 31, ist momentan der wertvollste Spieler bei 1860, defensiv stark – offensiv mit wichtigen Impulsen. Auch am Samstag im schweren Auswärtsspiel beim VfL Osnabrück ist der Ex-Hallenser gesetzt; 0nach einem Pressschlag im Training meldete sich Deniz rechtzeitig dienststauglich. Unser Gespräch mit dem Kreativdirektor und Kunstschützen der Löwen.

Tunay, drei Ihrer fünf Saisontreffer waren Traumtore, eine Bogenlampe vom Mittelkreis, ein direkt verwandelter Freistoß – und zuletzt der Fernschusskracher gegen Haching. Welches ist Ihr persönliches Lieblingstor?

Schwer zu sagen. Ich glaube, so ein Tor von der Mittellinie macht man nicht so oft, deswegen hat das einen besonderen Stellenwert. Und wenn ein Tor wichtig ist, umso schöner.

Trainer Patrick Glöckner meinte nach Ihrem Siegtreffer im Derby, so eine Schusstechnik müsse man sich über viele Jahre aneignen. Wie macht man das?

Es hängt viel mit meiner Spielweise zusammen, denn wenn man nicht so oft in der Box auftaucht, muss man es ja von außerhalb probieren, und aus der Distanz sind dann eher mal Traumtore dabei. Generell feile ich schon seit 12, 13 Jahren an meiner Schusstechnik, nehme mir nach dem Training meistens 20, 30 Bälle und versuche, entweder Freistöße zu schießen – oder mit zwei Kontakten außerhalb des Sechzehners. Zusammen mit anderen Spielern geht’s schon mal um ein Eis oder um ein Getränk, das macht es noch attraktiver. So kann man über die Jahre eine gewisse Schussqualität entwickeln. Wie sagt man so schön? Übung macht den Meister.

Worauf legen Sie in technischer Hinsicht wert?

Ich schieße generell nicht viel mit dem Vollspann, sondern mehr mit der Innenseite. So hat man eine bessere Präzision.

Schauen Sie sich auch Videos auf YouTube an?

Ab und zu schon. Es gibt Fußballseiten, wo es speziell um Schüsse geht. Ich selber hatte auch mal eine Seite, wo ich aufs Tor geschossen habe und Traumtore ins Internet gestellt habe. Ich dann aber gemerkt, dass das viel Zeit kostet, deswegen hab ich es relativ schnell wieder gelassen (lacht).

Gibt es einen prominenten Kunstschützen, dem Sie nacheifern?

Von den Schüssen her Hakan Çalhanoglu – bei dem habe ich mir schon das eine oder andere Tor abgeschaut. Ansonsten Lionel Messi, klar, bei ihm schaut jeder hin. Da weiß man auch, dass er nicht viel mit dem Vollspann schießt. Und sonst von früher halt David Beckham und Ronaldinho, aber die spielen leider beide nicht mehr.

Auch sonst zählen Sie bei 1860 seit einiger Zeit zu den besten Spielern. Welche Erklärung haben Sie für Ihre Topform?

Ich glaube, der Trainer handhabt es momentan sehr gut. Er versucht, meine Stärken auf den Platz zu bringen, auch durch meine tiefere Position. Man sieht, glaube ich, was ich als offensiverer Sechser für einen Input geben kann.

Eigentlich waren ja Thore Jacobsen und Philipp Maier als Doppelsechs gesetzt, jetzt lautet die Frage: Wer spielt neben Deniz?

Konkurrenzkampf ist aus meiner Sicht immer gut, und so wie er mich besser gemacht hat, macht er auch die anderen Jungs besser. Jeder muss einfach versuchen, jeden Tag 100 Prozent zu geben, dann profitieren wir am Ende alle davon.

Welchen Anteil am Aufschwung hat der Trainer?

Einen großen Anteil, denke ich. Schon allein, weil er die Trendwende in den letzten Wochen hinbekommen hat.

Als Zuschauer hat man momentan tatsächlich das Gefühl: Da steht eine Einheit auf dem Platz…

Wir waren auch vorher eine Einheit. Aber ich glaube, jetzt ist es einfach so, dass wir als Mannschaft zu einer gewissen Stabilität zurückgefunden haben, das zieht sich von hinten auf dem Platz bis nach ganz vorne. Wir haben schon drei Spiele nach Rückstand gewonnen – das spricht für sich.

In Halles Abstiegssaison schafften Sie 17 Torbeteiligungen. Momentan stehen Sie bei fünf Toren und fünf Assist. Knacken Sie Ihren eigenen Rekord?

(irritiert) Müssten das nicht mehr Assists sein?

Bei Transfermarkt wurde tatsächlich Ihre Ecke vor Guttaus 2:1 in Hannover unterschlagen. Vielleicht sollten Sie da mal anrufen!

Nee, nee, das passt schon (lacht).. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft unsere Ziele erreichen, das steht über allem.

Zu Glöckners Ziel, 46 Punkte, fehlen sieben Zähler…

Ich weiß gar nicht, ob man mit 45, 46 Punkten schon sicher durch ist. Dieses Jahr ist die Liga sehr, sehr wild. Die unteren gewinnen gegen die oberen. Wir stecken mitten im Abstiegskampf, immer noch. Ich glaube, es geht einfach darum, jetzt so viele Punkte wie möglich zu sammeln.

Und ab Sommer dann? Das Team bleibt wohl im Kern zusammen, auch Sie haben noch einen bis 2026 gültigen Vertrag…

Ich fühle mich sehr wohl bei 1860 und in der Stadt. Auch meine Frau und die Kinder haben sich gut eingelebt, deswegen kriegt mich hier keiner so schnell wieder weg (lächelt).

Im Podcast von MagentaSport verrieten Sie, dass Sie leidenschaftlich gerne kochen: Lasagne, Fisch, auch mal Steaks. Haben Sie sich auch schon an bayerische Gerichte herangewagt, um die Mannschaft mal einzuladen?

Das ist ein bisschen schwierig, weil wir kein Schweinefleisch essen, aber die Butterbreze mögen wir alle sehr. Von einem Freund habe ich schon ein bayerisches Lexikon bekommen. Bei allem, was mit der Küche zu tun hat, muss ich mich erst noch reinfuchsen. Im Sommer dann vielleicht – wenn wir die Klasse gehalten haben.

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