Football-Fan Thomas Müller bei einem NFL-Termin 2022 in Washington. © IMAGO
München – Thomas Müller und der FC Bayern – eine Liebes- und Erfolgsgeschichte. Die sich nach rund 25 Jahren – als Spieler – offenbar dem Ende zuneigt. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Die Tendenz: Das Arbeitspapier des Weltmeisters von 2014, der mit rund 17 Millionen Euro Jahresgehalt zu den Spitzenverdienern des Kaders gehört, wird wohl nicht verlängert. Offiziell bestätigt wurde das noch nicht.
„So eine Entscheidung ist für alle Seiten nie einfach“, sagt Sky-Experte Didi Hamann unserer Zeitung. Allerdings: Sein sportlicher Wert habe unter Trainer Vincent Kompany abgenommen. Nur zwölfmal stand der 35-jährige Angreifer in dieser Saison in der Startelf. Hamann: „Nächste Saison würde er wohl noch weniger spielen.“
Viel zu wenig für den Rekordspieler (742 Pflichtspieleinsätze). „Wenn die Situation so ist, dass er nur noch Aus- oder Einwechselspieler ist, dann würde ich ihm raten, aufzuhören. Das ist einer großen Karriere nicht würdig, als Ersatzspieler auf der Bank zu sitzen“, sagte Ehrenpräsident Uli Hoeneß zuletzt.
Die Verantwortlichen des FC Bayern haben schon ein paar Mal mit ihm über seine Zukunft gesprochen. „Sportvorstand Max Eberl hat ja auch mal öffentlich gesagt, es sei das ‚kürzeste Gespräch‘, wenn Müller verlängern wollen würde. Das klang so, als ob der Spieler selbst über seine Zukunft beim FC Bayern entscheiden würde“, sagt Hamann. „Nun muss der Verein aufpassen, dass die Sache nicht eskaliert. Die Bosse müssen schauen, dass sie diese Entscheidung so kommunizieren, dass sie dem Spieler gerecht wird. Er ist eine Ikone des FC Bayern. Er hat einen würdigen Abgang verdient.“
Für die Bayern ist Müller aktuell ein teurer Edel-Reservist. Eberl, der zuletzt die kostspieligen Vertragsverlängerungen von Jamal Musiala, Joshua Kimmich, Alphonso Davies und Manuel Neuer perfekt gemacht hatte, ist ohnehin angehalten, Geld einzusparen. Zuletzt hatte sich Hoeneß besorgt um das Festgeldkonto gezeigt. Die lukrative Club-WM im Sommer mit einem Startgeld von angeblich 30 Millionen Dollar soll ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang sein.
Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge, sollen der Verein und die Spielerseite nun über den optimalen Zeitpunkt der Zukunftsentscheidung diskutieren. Auch eine mögliche Verlängerung nur für die Club-WM sei ein Thema. „Eine kurzzeitige Verlängerung für die Club-WM würde auf alle Fälle Sinn machen. Gerade mit Blick auf die vielen Verletzten gerade. Das wäre noch mal ein großer gemeinsamer Aufschlag. Wenn der FC Bayern mit und für Müller die Club-WM holen würde, wäre das ein super Abschluss“, findet Hamann.
Dem Vernehmen nach hätte Müller über die aktuelle Saison hinaus noch gerne weitergemacht als Spieler des FC Bayern. „Müller will anscheinend noch ein, zwei Jahre spielen. Schwer vorstellbar, dass er für einen anderen Verein in Deutschland aufläuft“, so Ex-Bayern-Profi Hamann.
Gerüchte und Interesse an Müller sollen Vereine aus der US-Liga MLS haben. Dort lassen Superstar Lionel Messi (Inter Miami) oder Ex-Dortmund-Kapitän Marco Reus (Los Angeles Galaxy) aktuell ihre Karrieren ausklingen.
„Ein Wechsel in die USA wäre aus meiner Sicht die einzige Option. Müller war immer der, der von den Bayern-Spielern gesprochen hat und dessen Meinung die deutschen Medien auch immer hören wollten. Er war über Jahre der beste und größte Repräsentant des FC Bayern. So etwas zehrt“, erklärt Hamann.
„Die MLS würde ihm vielleicht in dieser Hinsicht guttun. Da drüben will nicht jeder alles von ihm wissen. Dort könnte er nur Fußball spielen und auch relativ in Ruhe leben. Das würde er sicher richtig genießen – vorausgesetzt, er möchte dort spielen.“
Eine wichtige Rolle bei Müllers Zukunftsentscheidung spielen wohl auch seine Pferde, um die er sich gemeinsam mit Ehefrau Lisa auf dem Gut Wettlkam kümmert.
PHILIPP KESSLER