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Mit Ehefrau Antonia hat er eine dreijährige Tochter © Instagram (2)
Bayernliga: Aktuell hält Marinovic in Grünwald. © Ernstberger
Als Torwart von Neuseelands Nationalmannschaft hatte es Stefan Marinovic unter anderem auch mit Portugal Superstar Cristiano Ronaldo zu tun. © Imago/Russak
Grünwald – Ehemalige Nationalspieler in der Fußball-Bayernliga? Da gibt’s den ein oder anderen, der schon im Nachwuchsbereich für sein Land gespielt hat. Aber es gibt nur einen „Kiwi“ – einen Torhüter, der schon 30 Mal für eine „echte“ Nationalmannschaft im Einsatz war – für sein Heimatland Neuseeland. Kiwi, so sein Spitzname, das ist Stefan Marinovic (33), der nach zehn Stationen in sieben Ländern, in denen er spielte und lebte, im Sommer 2024 nach Deutschland zurückgekehrt ist – als Standby-Keeper zum TSV Grünwald, wo er gerade wieder erste Wahl ist. Beim 1:3 in Sonthofen flog Stammkeeper Lukas Brandl (23) nach 56 Minuten vom Platz. So kam Marinovic, der 2015 auf Michael Zetterer (Werder Bremen) als Nummer eins im Hachinger Tor folgte, zu seinem fünften Saisoneinsatz. Spiel Nummer sechs war dann vergangenen Samstag – mal wieder in der Startelf. Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem Länderspiel-Debüt am 31. März 2015 beim 0:1 in Seoul gegen Südkorea siegte er mit Grünwald 3:0 gegen Ex-Club Haching II. Der Fußball schreibt immer wieder verrückte Geschichten…
In Auckland geboren, kam Kiwi 2009 nach Deutschland. Über Wehen-Wiesbaden, Ismaning und 1860 II lande-te er 2014 in Unterhaching: Neun Spiele in der 3., dann bis 2017 59 unter Trai-ner Claus Schromm und an der Seite von Spielern wie Stephan Hain oder Dominik Stahl in der Regionalliga. Nach Meisterschaft und Aufstieg, an denen er großen Anteil hatte, verabschiedete sich Marinovic aus der Vorstadt. Erst der Confed-Cup in Russland, dann begann seine internationale Profi-Karriere. Die MLS, die amerikanische Major League Soccer, war da die erste Station – mit den Vancouver Whitecaps (Kanada). Dort spielte er mit einem pfeilschnellen 17-Jährigen zusammen, dessen Fähigkei-ten sich bis nach München herumspra-chen: „Alphonso Davies, der schnellste Spieler der MLS, war damals ein heißes Thema“, erinnert sich der Fußball-Weltenbummler. Sein ehemaliger Wies-badener Mitspieler Marco Neppe, später Chefscout des FC Bayern, fragte bei Marinovic nach – und „Fonzie“ landete ganz schnell beim Rekordmeister.
Die MLS war etwas ganz Besonderes: „Ein Highlight, zu sehen, wie sie funkti-oniert.“ Mit Spielen in anderen Zeitzo-nen, mit „langen Flügen in der Economy Class“, teils mit zwölf Stunden Anreise. Und mit Gegenspielern wie Zlatan Ibra-himovic (LA Galaxy) oder Kaká (Orlan-do City). „Das war abenteuerlich und ein großes Erlebnis.“ Nach einem Kurz-Gastspiel in Bristol (England) ging’s für zwei Jahre in die Heimat. Mit Welling-ton Phoenix spielte Kiwi in der aust-ralisch-neuseeländischen A-League, musste wegen Corona für ein Jahr sportlich und privat nach Australien umziehen. 2021 das nächste Fußball-Abenteuer: In Israel stand er erst bei Hapoel Nof HaGalil, danach bei Hapoel Tel Aviv im Tor. „Da ging’s mir dann wegen der extremen Konkurrenzsituati-on wie Manuel Neuer, als er von Schal-ke zu den Bayern kam. Ich wurde von den Fans von den Tribünen sogar mit Glasflaschen und Regenschirmen bewor-fen, wurde sehr schnell zum Sünden-bock. Das war richtig schlimm.“ Und das Ende der Profikarriere. „Ich hatte keinen Spaß mehr am Fußball, habe im Februar 2023 in Tel Aviv aufgehört.“
Bis zum Sommer gab‘s kein „gescheites“ Angebot – „obwohl ich sicher war, dass was kommt. Das hat mich gewundert, finanziell wäre alles kein Problem gewesen“. So reifte der Entschluss, mit Ehefrau Antonia und Tochter Lea (3) nach München („war neben Vancouver immer meine Lieblingsstadt“) zurückzukehren. Seit Ende 2023 wohnt er in Harlaching und arbeitet in einer Wirtschaftsprüfungs-Kanzlei. „Fußball steht nicht mehr an erster Stelle. In Grünwald spiele nur noch zum Spaß.“ Der verging ihm in dieser Saison nur einmal: Beim 1:10 in Landsberg. „Ein rabenschwarzer Tag. Zweistellig habe ich zuvor nie verlo-ren…“
Marinovics Positiv-Resümee: „Ich habe auf vier Kontinenten gespielt, das haben nicht viele geschafft. Ich habe unglaub-lich viel erlebt und in der Nationalmann-schaft immer geliefert, kann mich nur an einen einzigen Fehler erinnern.“ Sein Heimatland Neuseeland hat sich gerade für die WM 2026 qualifiziert. Da kommt der Kiwi noch mal ins Grübeln: „Wenn ich nach Israel einen Verein mindestens aus der 3. Liga gefunden hätte, wäre ich da definitiv dabei…“
THOMAS ERNSTBERGER