ZUM TAGE

Schach: Sport oder nur ein Brettspiel?

von Redaktion

Das Spiel der Könige

Leonardo Costa – ein Schachtalent aus München – sorgt immer wieder für Furore in der Szene, die insbesondere während der Corona-Pandemie einen wahrhaften Boom erfuhr. Mittlerweile sind Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen zum Glück nicht mehr notwendig, leere Fußballstadien gehören der Vergangenheit an. Wobei Geisterspiele in Unterhaching (Spuckattacke) vielleicht wieder Sinn machen würden. Und das Schachbrett? – Das liegt längst verstaubt ganz unten im Regal, die Schach-Apps zieren gerade einmal noch den Bildschirm auf dem Smartphone.

Im Mai wird München aber nicht nur zur Fußball-Hochburg, wenn das CL-Finale und das Final-Four-Turnier in der Allianz-Arena steigen, sondern es trifft sich auch die deutsche Elite des Schachs in der Landeshauptstadt zur deutschen Meisterschaft. Das bringt uns zur immer wiederkehrenden Frage: Ist Denksport wie Schach überhaupt Sport? Zumindest erkennt sowohl das Internationale Olympische Komitee (IOC) als auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Schach als Sportart an.

Für das IOC stehen in seiner Begriffsdefinition der Wettbewerb und das Streben nach Höchstleistungen im Vordergrund. Das wäre gerade im professionellen Turnierschach gegeben. Die Definition des DOSB lautet: „Die Ausübung der Sportart muss eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben, der sie betreibt.“ Explizit ausgeschlossen sind dabei unter anderem Denkspiele oder auch die Dressur von Tieren ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen. Hier fängt die Diskussion an. Reicht es, die Figuren mit der Hand zu ziehen und anschließend den Schalter der Schach-Uhr zu betätigen? Auf den ersten Blick nicht.

Allerdings gehört noch viel mehr dazu. Denn die körperliche Anstrengung ist spätestens seit der Einführung von Pulsmessgeräten bei verschiedenen Turnieren nicht mehr wegzudiskutieren. Beim Freestyle-Chess-Turnier, das der Deutsche Vincent Keymer gewinnen konnte, hatte der 20-Jährige Keymer gegen Ex-Weltmeister Magnus Carlsen einen Puls von etwa 150. Andere Spieler erreichen sogar noch höhere Werte.

Als Hobbyspieler würde ich eine gemütliche Partie am Küchentisch gegen einen Freund oder online auf dem Smartphone gegen eine fremde Person auf der anderen Seite der Welt aber nicht unbedingt eine sportliche Trainingseinheit nennen.

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