Sinnbildlich: Schick und Bayer hadern. © Gentsch/dpa
Bielefeld – Anführer Granit Xhaka lieferte sich ein Wortgefecht mit den eigenen Fans, Klubboss Fernando Carro schimpfte über den trockenen Rasen – und Startrainer Xabi Alonso? Der wirkte einfach nur ratlos. Während auf Bielefelder Seite nach Abpfiff ein kollektiver Freudentaumel einsetzte, lagen bei Bayer Leverkusen nach der Blamage im Pokal-Halbfinale beim Drittligisten die Nerven blank. Die zuletzt so erfolgsverwöhnte Werkself fürchtet plötzlich eine titellose Saison – und klammert sich an den letzten kleinen Strohhalm namens Meisterschaft.
„Es ist schmerzhaft, so rauszufliegen“, haderte Kapitän Lukas Hradecky nach dem hochverdienten 1:2 auf der Alm. Die Verarbeitung dauere „sicherlich ein paar Tage“. Nur hat die Alonso-Elf diese Zeit vor dem Bundesliga-Endspurt nicht. Es gilt, sich wieder aufzurichten.
Sechs Punkte beträgt der Rückstand auf Bayern München in der Liga, auch die Tordifferenz spricht gegen Bayer. Aber: „Wut und Enttäuschung sind auch Emotionen, die man in etwas Gutes verwandeln kann“, sagte Hradecky. Der Torhüter will mit seinem Team nun „alles reinwerfen und gucken, was passiert. Wir haben ganz andere Ansprüche.“
Bei den Entscheidern klang das ähnlich. Für Sportchef Simon Rolfes war die sensationelle Pleite in Ostwestfalen „für die Meisterschaft umso mehr Verpflichtung, Vollgas zu geben“. Und Trainer Xabi Alonso übte sich nach seiner „härtesten“ Niederlage in Zweckoptimismus: „Unsere Entwicklung stoppt nicht, weil wir heute verloren haben.“
Schon am Samstag (15.30 Uhr/Sky) geht es beim 1. FC Heidenheim weiter, wohl erneut ohne den verletzten Topstar Florian Wirtz, den die Werkself in Bielefeld so schmerzlich vermisste. Es bleibt also keine Zeit zum Lecken der Wunden. Dabei sind diese tief. Hatte das einstige „Vizekusen“ sein Verliererimage in den vergangenen knapp zwei Jahren noch auf beeindruckende Weise abgelegt, war der Pokal-K.o. ein schmerzhafter Rückfall in alte Zeiten.
Ein Rückfall, über dessen Gründe sich die Beteiligten in der Analyse weitgehend einig waren, lediglich Geschäftsführer Fernando Carro sah die Schuld am Aus nicht ausschließlich im spielerischen Offenbarungseid. „Es war ein kollektives Versagen“, kritisierte er, „aber trotzdem ärgert es mich, dass der Platz nicht gewässert wurde. Das ist eine Regularien-Sache. Da muss der DFB eine Strafe machen.“
Ein Vorwurf, der den Gegner kalt ließ. In den Bielefelder Reihen machte man gar keinen Hehl daraus, den Rasen absichtlich trocken gelassen zu haben – alles aber im Rahmen der Regeln und unter Absprache mit dem Schiedsrichter, wie Sportchef Michael Mutzel betonte.
SID