ZUM TAGE

Eine Szene sabotiert sich selbst

von Redaktion

Saisonfinale der Basketballer

Andi Obst musste nicht lange darüber nachdenken, welche Signale ihm sein Körper denn nun sendet nach fast 60 Saisonspielen. „Könnte besser sein“, sagte der Weltmeister in Diensten der Bayern-Basketballer mit gequältem Lächeln. Immerhin: Die Zeit der Entscheidungen ist angebrochen. Am kommenden Donnerstag könnten Obst & Co den Einzug in Euroleague-Viertelfinale perfekt machen. Doch so weit wollen die Bayern den Blick lieber noch gar nicht richten.

Denn der Endspurt in Europa ist eingerahmt von einem dichten nationalen Programm. So setzte die BBL auch das Nachholspiel der Bayern beim schärfsten Verfolger Ulm für den kommenden Dienstagabend an. Zwei Tage später geht es gegen das, zuvor letztmals am Samstag geforderte Fenerbahce Istanbul in der Euroleague um die nun riesengroße Chance, vielleicht sogar mit Heimvorteil in die Playoffs einzuziehen. Dieser Wettbewerbsnachteil ist das eine – dass die an Highlights nicht gerade reiche BBL ihr Spitzenspiel im schnöden Wochentagsprogramm verramscht, das andere.

Aber letztlich ist das ja auch nur ein weiterer Beleg für das Talent der Basketballszene, sich mit großer Hingabe selbst zu sabotieren. Es ist eine Bühne, auf der die Protagonisten wie BBL, Euroleague oder FIBA statt der Weiterentwicklung der Disziplin oder schlicht dem Wohl der Akteure eigentlich nur sich selbst im Blick haben. Und die Dinge können ja sogar noch schlimmer kommen. Dann was wäre, wenn die Bayern über die Play-Ins ins Euroleague-Viertelfinale einziehen? Bis zu sieben Extra-Einsätze in der Königsklasse müssten sie dann binnen von drei Wochen mit sechs Partien in der BBL koordinieren. Mit vernünftigen Maßstäben nicht zu stemmen.

So gesehen ist es natürlich nur logisch, dass die alles überstrahlende NBA einen Nerv trifft mit ihren Ankündigungen, den alten Basketball-Kontinent mit einer Europa-Dependance neu zu ordnen. Es ist leicht zu erraten: Wenn das in zwei Jahren zu erwartende Konstrukt hält, was die Ideen des mächtigen Liga-Chefs Adam Silver versprechen, dann werden auch die, derzeit noch in der Euroleague engagierten Marken wie Real Madrid, der FC Barcelona oder auch der FC Bayern die Seiten schnell wechseln. Zumal die NBA Europa wohl auch weniger Spiele vorsähe als die Euroleague. Andi Obsts Körper würde das gewiss begrüßen.

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