Nils Politt soll Pogacar zum Sieg verhelfen. © Waem/dpa
Kopfsteinpflaster und tolle Stimmung: Beim Rennen 2023 gewann Pogacar die „Ronde“, im vergangenen Jahr triumphierte van der Poel beim zweiten der fünf Monumente des Radsports – in Abwesenheit des Slowenen. © IMAGO/De Meuleneir
Flandern – Vor dem neuerlichen Date mit „Flanderns Schönster“ spürt Tadej Pogacar wieder dieses ganz spezielle Kribbeln. Die prestigereiche Flandern-Rundfahrt sei „eines der aufregendsten Rennen der Saison“, so der dreimalige Tour-de-France-Sieger am Donnerstag. Pogacar will sie bei der 109. Ausgabe am Sonntag zum zweiten Mal erobern – und dabei auch Nebenbuhler Mathieu van der Poel im Gigantenduell ausstechen.
Bei der Hatz über die gefürchteten Hellingen geht es für Pogacar um mehr als die in diesem Jahr neu gestaltete, gold-glänzende Siegertrophäe für seine prall gefüllte Vitrine. Das Roubaix-Debüt des 26-Jährigen nähert sich mit großen Schritten. Der Kopfsteinpflaster-Klassiker in Flandern dient als letzter Testlauf für seine mit Spannung erwartete Premiere bei der „Hölle des Nordens“ am 13. April und soll auch als Revanche für die schmerzhafte Niederlage bei Mailand-Sanremo vor knapp zwei Wochen herhalten. Der Slowene hatte sich dort am Poggio-Anstieg spektakulär mit van der Poel duelliert, am Ende wurde er hinter dem siegreichen Niederländer trotz mehrerer Attacken Dritter.
Anders als Mailand-Sanremo hat Pogacar die Flandern-Rundfahrt bereits gewonnen. Vor zwei Jahren siegte er, in diesem Jahr startet er als Weltmeister in das 269 km lange Rennen von Brügge nach Oudenaarde. Bei der „Ronde“ erwartet Pogacar ein wahres Volksfest am Straßenrand – und ein gnadenloses Ausscheidungsrennen mit dem Rivalen, bei dem er es nicht auf einen Sprint ankommen lassen will. „Bei der Ronde habe ich, wenn ich mich gut fühle, mehr Möglichkeiten, eine solche Ankunft zu vermeiden. Vielleicht wird Mathieu nach sechs Stunden müder sein als ich“.
Zur Unterstützung stellt sein Team Pogacar starke Helfer an die Seite. Unter anderem der Kölner Radprofi Nils Politt stellt als ausgewiesener Flandern-Experte eigene Ambitionen hinten an und dient dem Slowenen wie so häufig als „Bodyguard“. Dabei dürfte auch Pogacar kurzzeitig gezuckt haben, als sein wichtigster Helfer aus Deutschland bei der Generalprobe zu Boden stürzte und mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen blieb. Doch nur einen Tag später gab das Team Entwarnung, Politt wird starten können. 2024 beendete der Deutsche die Rundfahrt als Dritter – seine beste „Ronde“-Platzierung. Auf die Erfahrung Politts baut auch der slowenische Superstar. „Zum Glück kann ich auf ein starkes Team zählen“, so der amtierende Weltmeister.
In Flandern wird Pogacars Auftritt wohl einmal mehr im Internet für zahlreiche Interaktionen sorgen. Allein bei Instagram folgen dem 26-Jährigen 2,1 Millionen Menschen. Er ist bei Social Media sehr aktiv und erreicht ein Millionenpublikum, dennoch ist der Radsport-Superstar kein Fan der Sozialen Medien – und übt mit deutlichen Worten Kritik an den Auswirkungen der Internet-Plattformen. „Soziale Medien sind das Krebsgeschwür unserer Gesellschaft“, urteilte er. „Man kann den ganzen Tag in den Sozialen Medien sein, und es gibt viele positive Dinge, aber die negativen Dinge überwiegen immer. Es kann einem den Tag verderben.“ Pogacar selbst versucht, Kritik und Einflüsse von außen auszublenden. „Es ist am besten, sich nicht um diese Dinge zu kümmern“.
SID/DPA